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Milchmarkt

Von Hilfen und Ungerechtigkeiten

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
21.07.2016

München - Nun kommt sie doch wieder, die Mengensteuerung bei der Milch.

Simon Michel-Berger

Zwar in Form eines freiwilligen Produktionsverzichts und in sehr bescheidenem Maße – ein knappes Prozent der EU-Milchmenge könnte vom Markt genommen werden – aber sie kommt. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht?

Wie so oft bei staatlichen Eingriffen am Markt bringt sie neue Bürokratie und neue Ungerechtigkeiten mit sich. Referenzzeitraum soll die Periode vom 1. September bis 31. Dezember 2015 sein. Wer seine Produktion in der Krise kaum gedrosselt hat, wird mehr profitieren, als derjenige, der schon Disziplin geübt hat.

Das nächste Problem: Der angedachte Ausgleich von 14 Cent pro Kilogramm soll unter den verzichtswilligen Bauern im Verfahren „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ verteilt werden. Ein Glück, wer eine schnelle Internet-Leitung hat und in den ersten Minuten der Freischaltung seinen Antrag der Zuständigen Behörde per Mausklick schicken kann. Betriebe mit langsamer Anbindung oder solche, die auf den Postweg angewiesen sind, dürften weniger Glück haben.

Zuletzt: Was passiert mit dem, der sich freiwillig auf einen Produktionsverzicht festlegt und diesen dann doch nicht einhält? Welche Sanktionen hat er zu befürchten? Wo sind die Bagatellgrenzen? Das Chaos ist vorprogrammiert und sicher ist nur: Mitnahmeeffekte wird es auch geben.

Echte Hilfe für die Bauern sind hingegen die 350 Millionen Euro, die die Mitgliedsstaaten für verschiedene Hilfsmaßnahmen ausgeben können, insbesondere für Liquiditätshilfen. Sie müssen jetzt, trotz baldiger Sommerpause, möglichst rasch umgesetzt werden.

Schade ist, dass die Kommission so wenig über andere Arten von Hilfe nachgedacht hat. Ein Beispiel: Wie ließe sich das Palmöl, das heute in so vielen Lebensmitteln steckt, wieder durch Butterfett ersetzen?

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