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Lieber Leser

Immer mit dem richtigen Ton

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
24.08.2017

München - Jetzt kommt da ein Professor aus Hamburg daher und behauptet, auch alte Bäume würden Kohlenstoff einlagern und damit dem Klimaschutz dienen.

Sepp Kellerer

Und dazu muss er einen Urwald in Surinam untersuchen. Und dann trifft er die absurde Schlussfolgerung, dass es dem Klimaschutz dienen würde, wenn man auch bei uns bewirtschaftete Wälder in Naturwälder umwandeln würde. Ja hat der denn noch nichts davon gehört, dass auch bei uns der Weg weg führt vom Altersklassenwald zu gestuften Wäldern? Selbst wenn er bezogen auf den einzelnen Baum recht hat, dann herrscht in einem Urwald ein Gleichgewicht aus Wachsen und Vergehen und damit wird genauso viel Kohlenstoff frei wie eingelagert wird. Ist ihm denn völlig unbekannt, dass eine dauerhafte Kohlenstoffspeicherung entsteht, wenn man das Holz aus dem Wald holt und dann als Baustoff oder Möbel lange Zeit nutzt? Hat er noch nie etwas gehört vom Ersatz energieintensiver Materialien durch Holz? Dass ein Baum Kohlenstoff einlagert, solange er wächst, das haben wir schon vorher gewusst.

Hoppla, jetzt ist der Gaul mit mir durchgegangen. Habe ich das jetzt so dramatisch formulieren müssen?

Vielleicht wäre es ja besser, wir würden gar nicht erwähnen, dass es in Bayern Versuche gibt mit der Edelkastanie. Könnte ja sein, dass uns die Naturschützer auf die Eisen steigen, weil wir „Fremdländer“ anbauen. Gar nicht reden sollten wir darüber, dass der Bergahorn als heimische Baumart mit dem Trockenstress mindestens so gut zurechtkommt wie die Edelkastanie (Seite 25).

Bin ich jetzt wieder zu defensiv? Kann man Fakten aus der Welt schaffen, indem man sie einfach verschweigt?

Bei diesen fachlichen Themen ist die Lösung eigentlich ganz einfach. Da kann man die Punkte auf eine sachliche Ebene hieven und dann offen und ehrlich diskutieren. Aber wen es ins Persönliche geht, da wird es sehr schhnell schwierig. Jeder kennt die Situation, dass einem an seinem Gegenüber etwas auffällt, was man selber peinlich findet. Und dann stellt sich die Frage, wie sage ich es ihm, oder schweige ich lieber. Solche Situationen sind gar nicht so selten und lassen sich an dieser Stelle auch nicht abschließend behandlen. Deshalb möchte ich Sie bitten, dass Sie sich unseren Beitrag zu dem Thema „Wie sage ich es nur“ auf Seite 78 widmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie sich im Anschluss sicherer fühlen im Umgang mit heiklen Themen.

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