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Bundeslandwirtschaftsministerium

Julia Klöckner und das Phänomen von Wiesbaden

Julia Klöckner
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
05.07.2018

Irgendwie ist Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Phänomen.

Simon Michel-Berger

Am Donnerstag schwebte sie beim Deutschen Bauerntag im Kongresszentrum Wiesbaden ein, worauf die große Mehrheit der über 600 anwesenden Delegierten sich spontan erhob und sie mit stehenden Ovationen begrüßte.

Die Ministerin revanchierte sich mit dem Versprechen, in ihrer Rede nicht auf schnellen Applaus setzen zu wollen, sondern den Landwirten reinen Wein einzuschenken. Dem folgten zunächst allerdings viele Streicheleinheiten und Bekenntnisse vom Typ „Ich komme aus der Landwirtschaft“ und „Ich kämpfe für Sie“.

Bei den wirklich knackigen Themen blieb Klöckner entweder vage – bleibt jetzt das EU-Agrarbudget nach 2020 im gleichen Umfang erhalten? – oder verwies auf andere – redet beim vierten Weg in der Ferkelkastration bitte mit der SPD und den Ländern.

Verständlich war die Freude vieler Delegierter über die Nachricht vom Vortag, dass die Bauernmaut auf Bundesstraßen ausbleibt. Aber das ist Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zu verdanken.

Auch die unlängst veröffentlichte 100-Tage-Bilanz der Ministerin besteht Großteils aus Absichtserklärungen und einberufenen Diskussionsrunden. Es stimmt, im Bundeslandwirtschaftsministerium unter Klöckner scheint es mehr Bewegung zu geben als unter ihrem Amtsvorgänger. Aber auch der von Klöckner so gelobte Gesetzesentwurf zum staatlichen Tierwohl-Label klammert alle kritischen Punkte aus (Woher kommt das Geld? Wie genau soll es funktionieren?).

Eine „Bilanz“ aus Zielen und Plänen mag, mit schönen Bildern dekoriert, auf Facebook und Twitter funktionieren. Aber die Landwirte brauchen mehr als hübsch verpackte Bonbons. Ankündigungen machen nicht satt. Darum muss auch Klöckner liefern, wenn sie sich den Applaus von Wiesbaden wirklich verdienen will.

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