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Nitratwerte

Keine Angst vor teurerem Trinkwasser

Grundwasserpumpe
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
20.07.2017

Augsburg - Das Landesamt für Umwelt hat den Bericht zur Wasserqualität im Freistaat veröffentlicht.

Die Nitratbelastung des Rohwassers in der öffentlichen Wasserversorgung ist in Bayern leicht zurückgegangen. Das geht aus dem Bericht „Grundwasser für die öffentliche Wasserversorgung: Nitrat und Pflanzenschutzmittel“ des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) hervor, den die Behörde vergangene Woche veröffentlichte.
Demnach wiesen im Jahr 2015 etwa 6,4 % der insgesamt geförderten Rohwassermenge Konzentrationen von mehr als 37,5 mg Nitrat pro Liter auf und waren somit laut LfU stark belastet. Im Jahr 2013 traf das noch auf 6,9 % der Gesamtrohwassermenge zu, 2011 auf 8,5 %.
Den Rückgang der Belastung der Rohwassermenge erklärt das LfU mit der Außerbetriebnahme belasteter Brunnen sowie mit Wasserschutzmaßnahmen, die auch in Kooperation mit der Landwirtschaft durchgeführt wurden. Allerdings sei die Belastung des Rohwassers mit Nitrat nicht repräsentativ für die Situation des Grundwassers in Bayern. Bei letzterer sei keine Tendenz festzustellen, weder in Richtung einer Verbesserung noch einer Verschlechterung.

Positiver Trend bei Pflanzenschutzmitteln

Bei Pflanzenschutzmitteln wurden in 2013 und 2015 in gut einem Fünftel aller Trinkwassergewinnungsanlagen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen. Die zulässigen Grenzwerte wurden allerdings nur bei 2,5 % der geförderten Wassermenge überschritten. Relativ hoch sei die Belastung in der Oberpfalz, Oberfranken und Niederbayern. Dies habe jedoch auch mit den hydrogeologischen Gegebenheiten vor Ort zu tun. Insgesamt nehme die Belastung des Rohwassers in Bayern mit Pflanzenschutzmitteln ab. Allerdings sei die Entwicklung sehr langsam. So könnten beispielsweise noch immer Spuren von Atrazin im Rohwasser nachgewiesen werden, obwohl der Einsatz des Wirkstoffes bereits 1991 verboten wurde.

Heiße Diskussion im Bayerischen Landtag

Andreas Hofmann vom Bayerischen Umweltministerium stellte die Ergebnisse des Berichts vergangenen Donnerstag im Umweltausschuss des Landtags vor. Unter Verweis auf die kürzlich erfolgte Studie des Umweltbundesamtes zur Nitratbelastung im Grundwasser sagte er, dass er keine Anzeichen für eine drastische Verteuerung der Trinkwasserpreise sehe. Der Trend bei der Wasserqualität sei über Jahre relativ konstant, es gebe weder große Verschlechterungen noch Verbesserungen. Hoffnungsvoll blickt der Beamte auf das Düngepaket, das viele Maßnahmen enthalte, die zu einem Absinken des Stickstoffeintrages führen sollten.
Christian Magerl (Grüne), Vorsitzender des Umweltausschusses, übte zunächst Kritik am Umweltministerium. Es sei kein guter Stil, wenn Einzelorganisationen wie der Bayerische Bauernverband (BBV) vorab Kopien des Berichts erhielten. Die Vorstellung sei vonseiten der Behörde zunächst im Umweltausschuss des Landtags versprochen worden. Doch bereits am Mittwoch habe der BBV in einer Pressemitteilung Inhalte des Berichts zitiert.
Hofmann versprach, das „Leck“ zu finden. Anton Kreitmair (CSU) sagte seinerseits, der BBV habe lediglich Informationen aus Antworten des Umweltministeriums auf parlamentarische Anfragen der Grünen zitiert.
Harry Scheuenstuhl (SPD) sieht durch den Bericht keine Entwarnung für die Wasserqualität. Die Landwirtschaft sei für den Haupteintrag von Pflanzenschutz und Dünger ins Grundwasser verantwortlich und müsse hier auch kontrolliert werden. Freiwilligkeit reiche nicht. Auch betonte der Abgeordnete, dass Wasserversorger immer wieder hoch belastete Brunnen schließen müssten. Wie viele dies in den letzten Jahren gewesen seien, konnte Hofmann jedoch nicht sagen.
Nikolas Kraus (FW) betonte, es gebe punktuelle Missstände bei der Wasserbelastung mit Nitrat und Pflanzenschutz. Diese könnten nicht wegdiskutiert werden. Er erinnerte aber auch daran, dass für den Einsatz von Atrazin jahrelang öffentliche Empfehlungen ausgesprochen worden waren.
Rosi Steinberger von den Grünen sieht nicht die Hydrogeologie als schuldig an hohen Rückstandswerten. Verantwortlich sei die landwirtschaftliche Bewirtschaftungsweise. Zwar gebe es auf Bundesebene nun das neue Düngepaket, doch werde auf bayerischer Seite zu wenig getan. Der Wasserpakt reiche nicht.
Der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, Otto Hünnerkopf (CSU) betonte seinerseits, Bayern könne mit einer Stagnation bei der Wasserqualität nicht zufrieden sein. Es gebe jedoch sehr erfolgreiche Beispiele für Kooperationen zwischen Landwirten und Wasserversorgern. Er kritisierte die „schizophrene Haltung“ der Gesellschaft, die einerseits hochwertiges Getreide mit hohem Eiweißgehalt wünsche und sich andererseits gegen den Düngemittel­einsatz in der Landwirtschaft ausspreche.

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