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Waldschutz

Klimawandel: Masterplan für die Wälder

Wald
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
02.08.2019

Die Forstminister der unionsgeführten Agrarressort haben sich auf einen Masterplan für Deutschlands Wälder verständigt.

Die sogenannte Moritzburger Erklärung sieht folgenden Punkte vor:

  1. Klimaschutz durch nachhaltige Waldbewirtschaftung - Der nachhaltig bewirtschaftete Wald leistet einen wichtigen Beitrag als Kohlenstoffsenke. Neben der Produktion von Biomasse tragen langlebige Holzprodukte zur Kohlenstoffbindung sowie durch Substitutionseffekte zur Vermeidung von Emissionen bei.
    Daher ist eine nachhaltige multifunktionale Waldbewirtschaftung aktiv betriebener Klimaschutz und bietet insbesondere der Bevölkerung in den ländlichen Regionen eine Vielzahl von Arbeitsplätzen.
     
  2. Schadensbeseitigung, Walderhalt und klimaangepasster Waldumbau - Die Waldbesitzer leisten mit ihrer Arbeit einen großen Beitrag zur Erhaltung der vielfältigen Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes im Interesse der Allgemeinheit. Derzeit stehen die Schadensbeseitigung einschließlich der Wiederherstellung der Waldwege und die Wiederaufforstung der Kalamitätsflächen im Vordergrund, damit der Wald in seinen wichtigen Funktionen, insbesondere dem Klima- und Artenschutz, bestehen und langfristig erhalten bleiben kann. Daher müssen wir den Waldumbau an die Herausforderung des Klimawandels anpassen und intensivieren. Das schließt die Etablierung von nicht heimischen, an den Klimawandel angepassten, neuen Baumarten ein. Hierbei bedürfen die Waldbesitzer auch finanzieller Unterstützung.
     
  3. Waldbrandbekämpfung - Durch die zunehmenden Trockenperioden werden Waldbrände häufiger. Deshalb ist die Bereitstellung von zusätzlichen Hubschraubern mit der Möglichkeit, große Außenlastbehälter für Löschwasser zu transportieren, durch den Bund notwendig. Weiterhin sollte der Einsatz von Schwerlastdrohnen zur Waldbrandbekämpfung getestet werden.
    Um eine bessere Waldbrandbekämpfung zu ermöglichen, sind die Waldinfrastruktur, zum Beispiel Waldwege, Löschwasserentnahmestellen, auszubauen und die kartographischen Unterlagen zu optimieren. Die Sanierung munitionsbelasteter Waldflächen zur Waldbrandvorsorge und
    -bekämpfung ist stärker im Rahmen eines Bundesprogramms zu finanzieren.
     
  4. Angewandte Forschung - Die Intensivierung praxisbezogener Forschung und die verstärkte Umsetzung vorhandener Forschungsergebnisse zur Entwicklung zukunftsfähiger, klimaangepasster Wälder wird durch eine Bund-Länder-Initiative „Klimaangepasster Zukunftswald 2100“ unterstützt.
    Die Forschung zur Baumarteneignung insbesondere in Bezug auf Standortfaktoren sowie die Forstpflanzenzüchtung werden zur Bereitstellung des für den Waldumbau benötigten qualitativ hochwertigen Saat- und Pflanzgutes gestärkt.
     
  5. Holzverwendung und Innovation - Die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz muss durch Werbung für einen verstärkten Einsatz in Industrie, Bauwesen und Handwerk, die Beseitigung von rechtlichen Hemmnissen und eine Vorbildwirkung im öffentlichen Bereich befördert werden. Hierbei müssen Bund und Länder die baurechtlichen Voraussetzungen schaffen und speziell im staatlichen Hochbau auf den Einsatz von Holz hinwirken. Durch die Holzverwendung und den entsprechenden Substitutionseffekt wird ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Die Zusammenarbeit im Cluster der Forst- und Holzwirtschaft ist zu intensivieren. Hierbei kommt der Charta für Holz 2.0 eine tragende Rolle zu. Initiativen und Forschung zur Holzverwendung sind zu stärken, um die Chancen der Bioökonomie zu ergreifen.
     
  6. Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung - Die Ansprüche der Erholungssuchenden an den Wald steigen. Die hieraus resultierenden Zielkonflikte im Zusammenhang mit der nachhaltigen Waldbewirtschaftung erfordern eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit und der Umweltbildung. Diese haben insbesondere zum Ziel, Maßnahmen zur Begrenzung des derzeitigen Schadgeschehens zu vermitteln und Verständnis für die Dringlichkeit des Waldumbaus sowie für eine nachhaltige multifunktionale Waldbewirtschaftung zu bewirken.

Der Bund wird gebeten, die Länder ab dem Jahr 2020 durch die Bereitstellung von zusätzlichen Finanzmitteln in Höhe von insgesamt 800 Millionen Euro, die in den nächsten 4 Jahren gewährt werden, zu unterstützen. Die Aufteilung der Mittel sollte jeweils jährlich nach dem Umfang der Schäden in den Ländern erfolgen.

Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt

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