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Kohlenstoffbilanz

Kommt aus Brüssel eine Obergrenze für den Holzeinschlag?

Harvester im Einsatz
© imago/Marius Schwarz
von , am
12.09.2017

Brüssel - Die am Mittwoch im Europa-Parlament zur Entscheidung anstehende sogenannte LULUCF-Verordnung soll den Kohlendioxidausstoß und die Kohlendioxidbindung in der Land- und Forstwirtschaft regeln.

Wieder einmal fallen in Brüssel Entscheidungen, deren Reichweiten nur schwer abzuschätzen sind: Die EU will die Waldbewirtschaftung und Holznutzung durch Festschreiben einer Kohlenstoffbilanz im Wald deckeln. Das Vorhaben verbirgt sich hinter der Verordnung zu Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft, kurz LULUCF genannt (Land Use, Land-Use Change and Forestry). Sie soll den Kohlendioxidausstoß und die Kohlendioxidbindung in der Land- und Forstwirtschaft regeln. Dabei soll die Kohlenstoffbilanz der Land-und Forstwirtschaft neutral sein, das heißt es dürfen keine Nettoemissionen entstehen. Länder wie Deutschland, die über Jahrhunderte hinweg im Wald herangewachsene Holzvorräte aufgebaut haben, würden damit in der nachhaltigen Nutzung dieser Vorräte eingeschränkt.

Ulrich Graf
Ein Kommentar von Ulrich Graf, Redakteur Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, ulrich.graf@dlv.de © Rainer Königer

Darauf aufmerksam gemacht haben der europäische Bauernverband Copa und der Verband der Waldeigentümer (AGDW). Vor allem der AGDW befürchtet Schlimmes. "Unter dem Vorwand des Klimaschutzes soll im Europäischen Parlament am kommenden Mittwoch eine neue Verordnung beschlossen werden, die den Wäldern in Deutschland erheblich schaden wird", meldet sich der Verband zu Wort und er mahnt, dass die Artenvielfalt abnehmen könnte, weil Lichtbaumarten wie etwa Eichen, Ahorn und Kirsche ohne Waldpflege durch nachhaltige Nutzung keine Chance gegen dominante Baumarten wie die Buche hätten. Unterm Strich würde das also eine kontraproduktive Wirkung haben.

Philipp zu Guttenberg, Präsident der AGDW - die Waldbesitzer zeigt sich dementsprechend kämpferisch: "Die Waldbesitzer brauchen keinen Nachhilfeunterricht in Sachen Nachhaltigkeit von der Brüsseler Bürokratie“, denn die Waldbauern und Förster hätten die Wälder in dreihundert Jahren zu artenreichen und vielfältigen Lebensräumen entwickelt. Und er gibt zu bedenken: „Diese Leistung haben Generationen von Waldbauernfamilien eigenverantwortlich und unterstützt durch eine kluge Waldgesetzgebung hierzulande erbracht."

Das Kind ist aber noch nicht in den Brunnen gefallen. Der europäische Bauernverband Copa setzt seine Hoffnungen auf einen  Berichtsentwurf von Norbert Lins, Mitglied des Europäischen Parlaments. Die Copa appellierte an die Mitglieder des Europäischen Parlaments, am 13. September für den Bericht zu stimmen. Der Änderungsantrag sieht vor, die aus Sicht der Copa unnötigen Einschränkungen zur Waldernte-Intensität aus Artikel 8.3 zu streichen. Damit wäre nach Ansicht des europäischen Bauernverbandes auch weiterhin eine florierende Land- und Forstwirtschaft möglich.

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