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Vorschriften

Wenn es auch kompliziert geht...

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
13.10.2016

München - Unkomplizierte Regeln, die die Bauern leicht nachvollziehen können, bleiben auch künftig Mangelware.

Simon Michel-Berger

Die „gute“ Nachricht zuerst: Der Grundsatz „Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht“ prägt auch weiterhin die Umsetzung der EU-Agrarpolitik. Kein Fachberater muss befürchten, durch die Vereinfachung beim Greening arbeitslos zu werden. Die schlechte Nachricht: Unkomplizierte Regeln, die die Bauern leicht nachvollziehen können, bleiben auch künftig Mangelware.

Beispiel gefällig? Die Mindesthaltezeit, in der Zwischenfrüchte auf dem Feld stehen, soll verkürzt werden. Statt einem festgelegten Zeitraum (1. Oktober bis 15. Januar) müssen die Pflanzen nur noch mindestens acht Wochen auf dem Feld stehen. Auch Sommerzwischenfrüchte werden so theoretisch möglich. Der Haken: Wie soll die Verwaltung das kontrollieren? Früher reichte eine Inspektion in der festgelegten Zeit. Künftig müssten die Kontrolleure in den fraglichen dreieinhalb Monaten entweder mehrmals kommen. Alternativ muss der Landwirt für jeden Schlag, auf dem Zwischenfrüchte sind, ein eigenes Aussaatdatum und eine Stehzeit angeben. Getreu dem Motto: Was macht schon ein wenig mehr Dokumentationspflicht, die Bauern müssen eh schon so viel aufschreiben.

Nicht angerührt wird hingegen der Unsinn, dass die Maximalbreite von Feldrand- und Waldrandstreifen unterschiedlich ist (20 bzw. 10 Meter). Überschreitet der Bauer die Grenze, bekommt er im schlimmsten Fall die ganze Fläche mit einem deutlich schlechteren Faktor als ökologische Vorrangfläche gewertet. Als ob ein 22 Meter breiter Randstreifen schlechter für die Umwelt wäre als einer mit 19,9 Metern. Noch komplizierter wird es, wenn, Gott bewahre, sich Feldrand und Waldrandstreifen treffen. Wo gilt dann welche Grenze?

Die Behörden vor Ort zeigen sich immerhin oft kulant. Aber eine Politik die auf Kulanz in der Umsetzung angewiesen ist um praktikabel zu sein, ist und bleibt zu kompliziert.

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