Login
Unternehmenskonzentration

Konzerne immer stärker

Konzernatlas
BLW
am
12.01.2017

Berlin - Immer weniger Konzerne bestimmen weltweit über einen immer höheren Anteil der Lebensmittelerzeugung. Entlang der Lieferkette würden Unternehmen durch Fusionen immer größer. Darauf weisen die Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Oxfam Deutschland, Germanwatch und Le Monde Diplomatique im sogenannten „Konzernatlas 2017“ hin.

Die Herausgeber kritisieren, dass die Marktmacht der Konzerne in vielen Bereichen des Agrar- und Lebensmittelsektors zu Lasten der Bauern gehe, die einen immer geringeren Anteil an den Verkaufserlösen ihrer Erzeugnisse bekämen. Darunter leiden würden auch Klima und Umwelt, da die Konzerne mit ihrer Verkaufs- und Einkaufspolitik eine – im Bericht nicht definierte – „industrielle Landwirtschaft“ fördern, bei der Produktivität und Wachstum im Mittelpunkt stünden.

Neben der Marktmacht des Lebensmittelhandels kritisiert der Bericht auch die Konzentration bei den Lebensmittelherstellern. Aktuell entfalle auf 50 Firmengruppen rund die Hälfte des weltweiten Umsatzes mit der Herstellung von Lebensmitteln.

Der Bericht weist darauf hin, dass von den zwölf kapitalintensivsten Übernahmen 2015 und 2016 fünf im Agrar- und Ernährungsbereich stattfanden. Dabei handelte es sich um Heinz/Kraft (Nahrungsmittel), Dow/Dupont (Agrarchemie), BAT/Reynolds (Tabak) und Bayer/Monsanto (Agrarchemie). Inzwischen kontrollierten vier Großkonzerne rund 70 % des Welthandels mit Agrarrohstoffen und drei Konzerne 50 % des Weltmarkts für Landtechnik. In Deutschland decken vier Supermarktketten 85 % des Lebensmitteleinzelhandels ab. Mit den geplanten weiteren Fusionen würden nur drei Konzerne mehr als 60 % des globalen Marktes für kommerzielles Saatgut und für Pflanzenschutzmittel beherrschen.

Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, forderte die Politik auf, die Fusionskontrolle zu verschärfen und gegen den Missbrauch von Marktmacht vorzugehen. Die Verhandlungsmacht der Bauern müsse gestärkt und Unternehmen verpflichtet werden, ökologische und soziale Mindeststandards durchzusetzen.

Auch interessant