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Volksbegehren

Das ist das, was die Landwirte ärgert

Heidl
Sabrina Melissa Melis
am
16.04.2019

BBV-Präsident Walter Heidl: Was die Landwirte machen, wird völlig ausgeblendet

Bayerns BBV-Präsident Walter Heidl, BUND-Vorsitzender Richard Mergner und der Präsident des Deutschen Imkerbundes e.V. Peter Maske stellten sich in Straubing einer Diskussionsrunde. Walter Heidl bestätigte, dass die Stimmung nach dem Volksbegehren immer noch „sehr aufgeheizt“ sei. Die Landwirte ärgere es, dass bei aller Diskussion nicht akzeptiert werde, was sie für den Artenschutz leisten. „Das was die Landwirte bereits auf 40 Prozent der Fläche machen, wird völlig ausgeblendet“, sagte er. „Das ist das, was die Bauern ärgert.“ Das TFZ bekomme seitens der Landwirte jegliche Unterstützung, betonte der BBV-Präsident.

„Mir ist es wichtig, dass man das Thema als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sieht“, betonte er. „Natürlich hat die Landwirtschaft einen Anteil, natürlich wollen wir auch weiterhin einen Beitrag leisten, aber mir ist es zu billig, alles auf der Landwirtschaft abzuladen. Es geht insgesamt darum, Verbesserungen zu erreichen.“ 

BUND-Vorsitzender Richard Merg­ner betonte: „Wir müssen der Problematik in die Augen schauen.“ Der „vielzitierte Mähroboter“ sei „ein Schmarrn“, sagte der BUND-Vorsitzende, jedoch sei dieser kaum für den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich, weil er schlichtweg nicht die Flächenwirkung habe. Er bezog sich auf den Vortrag von Professor Dr. Wolfgang Weisser und betonte auch, es sei wichtig, keine Schuldzuweisungen zu machen, sondern eine Lösung zu finden. Der BUND Naturschutz arbeite mit verschiedenen Gruppen, auch mit dem BBV zusammen, um zum Beispiel das Rebhuhn wieder anzusiedeln, jedoch müsse die Gruppe oft feststellen, dass eine Überbrückung fehle, entsprechende Stickstoffeinträge und – insbesondere in Niederbayern – eine Flächenzerschneidung und eine Fruchtfolge von „Mais, Zuckerrüben, Gewerbegebiet“: „Da muss ich mich nicht wundern, wenn die Artenvielfalt abnimmt.“ Er wünsche sich, dass die Diskussion von dem Punkt der Schuldzuweisungen weggeht und zur Frage führt, wo die großen Verluste sind und was dagegen getan werden kann.

Peter Maske vertritt mehr als 140 000 Imker in Deutschland. Allein hier hat sich einiges getan: Vor 40 Jahren waren es noch 2,4 Mio. Völker, heute noch etwa 800 000. „Da könnte man daraus schließen: Die Bienen sind gestorben, wir müssen sie retten“, sagte er. „Aber: Das Ganze hängt damit zusammen, dass viele Imker – damals – einen wirtschaftlichen Ertrag in der Bienenhaltung gesehen haben. Vor allem in der DDR wurde ein wesentliches Einkommen mit der Bienenhaltung generiert.“ Die Zeit habe sich gewandelt, heute ist der Anteil der „Vollzeit“-Imker verschwindend gering. Er erinnerte an die Bienenkatastrophe 2008, wobei durch mangelhaft gebeiztes Maisgut 12 000 Bienenvölker starben. Bienensterben hänge grundsätzlich von vielen Faktoren ab, sagte er. „Von unserer Seite aus war schon immer eine Aussage gewesen: Wir brauchen Verbesserungen in der Agrarlandschaft für blütenbesuchende Insekten“, so Maske.

Bei der folgenden Diskussion sah ein junger Landwirt richtig gute Ansätze bei aller Diskussion, kritisierte jedoch: „Es ist aber nicht zu Ende gedacht.“ Bei seinen Gewässerrandstreifen sehe er, dass Tiere dort leben – kleine Hasen, Rebhühner, Insekten. „Das Kulap schreibt mir vor, dass ich jetzt das Unkraut fräsen muss, ich muss es – jetzt – mechanisch mähen“, sagte er und meinte: „Das verstehe ich nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, was das bringt, da bringe ich ja alles um, was drin ist.“

Andreas Löffert, Geschäftsführer des Hafens Straubing-Sand, betonte: „Niemand wird bestreiten, dass es einen Artenrückgang gibt.“ Doch es gehe nicht um Schuldfragen: „Schuldfragen bringen uns überhaupt nichts.“ Es gehe um Lösungen, und die gebe es auch für das viel kritisierte Industriegebiet. 

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