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Lebensmittelhandel

Lidl - Diskussion um Tierwohllabel hält an

Lidl-Haltungskompass-Stufe-3
Externer Autor
am
06.04.2018

Neuer Lidl-Haltungskompass beschäftigt auch die Bundespolitik.

Nachdem Lidl seit April seinen vierstufigen Haltungskompass für Schweine-, Rind-, Puten- und Hähnchenfrischfleisch eingeführt hat, flammt auch die Diskussion um das geplante staatliche Tierwohllabel erneut auf. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner warnte davor, die Verbraucher zu überfordern. Sie sagte: „Ich will ein staatliches Tierwohllabel einführen, das Verbrauchern eine klare Orientierung gibt.“

Während die CDU-Politikerin offenbar weiter auf ein freiwilliges Label setzt, geht der Koalitionspartner weiter. „Wir brauchen jetzt dringend eine einheitliche und verpflichtende Kennzeichnung für Fleisch aus artgerechter Tierhaltung“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch. Man dürfe die Kennzeichnung nicht dem Markt und somit „dem freien Spiel der Kräfte“ überlassen.
Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warf der Koalition vor, sich nur auf ein „Wischi-Waschi-Label“ zu verständigen. Hofreiter befürchtet einen Labeldschungel, „wenn jetzt jede Supermarktkette ihre eigene Kennzeichnung aus dem Boden stampft“. Fraktionskollege Friedrich Ostendorff bezeichnete ein freiwilliges Label erneut als mangelhaft. Zwingend notwendig seien „umfassende Änderungen jenseits von Spartenlösungen“.
Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, lobte die Lidl-Initiative als einen wichtigen Schritt, endlich mehr Transparenz für den Verbraucher zu schaffen. Der Lidl-Haltungskompass konzentriere sich auf die Haltung der Tiere; durch das zweistufige Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes „Für Mehr Tierschutz“ werde zudem die Kette bis hin zum Schlachthof transparent, nachvollziehbar und umfassender gelabelt.
Der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Löwenstein, kritisierte, Lidl stifte beim Verbraucher Verwirrung, indem das Unternehmen in seinem Konzept die bewährte Reihenfolge bei der Eierkennzeichnung umkehre: „Wenn jetzt auch noch andere Handelsunternehmen ihre Marketingideen in jeweils eigenen Modellen der Fleischkennzeichnung verwirklichen, dann ist das Chaos perfekt.“

Der Geschäftsführer der QS Qualität und Sicherheit GmbH, Dr. Hermann-Josef Nienhoff, sieht die gesamte Lebensmittelkette gefordert, sich auf eine abgestimmte Vorgehensweise zu verständigen. Gegenüber dem Pressedienst Agra-Europe bezeichnete Nienhoff die Lidl-Initiative als mutig und in den Umsetzungsschritten gut durchdacht. Möglich sei der Ansatz aber nur durch die Initiative Tierwohl, betonte er.

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