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Tierische Produktion

Lidocain für die lokale Betäubung

Tierische Verdelung
Christa Diekmann-Lenartz
am
30.10.2017

Auf dem DBV-Veredlungstag standen die Dünge-Verordnung und die Kastration von Ferkeln im Vordergrund.

Beim DBV-Veredlungstag  in Osnabrück ging es um die längerfristige Ausrichtung der Tierhaltung in Deutschland, Neuregelungen wie Düngeverordnung oder Kupierverbot, die konkrete Mehrkosten bedeuten.

Schweinehalter brauchen nicht weit in die Zukunft schauen, wenn es um die steigenden Produktionskosten durch den – gesellschaftlich gewollten – Umbau der Tierhaltung in Richtung mehr Tier- und Umweltschutz geht. Die Düngeverordnung etwa wird zumindest in der Veredlungsregion die Produktionskosten erhöhen.

Im kommenden Jahr folgt der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration mit Mehrkosten für die Alternativen – ggf. mit Ausnahme der Ebermast. Letztere wird aber nach jetzigem Kenntnisstand nur für eine begrenzte Anzahl von Tieren machbar sein.

Weniger Stickstoff und Phosphor in der Ration

Dass in den Veredlungsregionen mit steigenden Kosten für die Gülleabgabe zu rechnen ist, machte Andrea Meyer klar. Die Fütterungsreferentin der LWK Niedersachsen stellte die stark nährstoffreduzierte Fütterung als eine Anpassungsstrategie für Schweinehalter vor. Wer weniger Stickstoff (N) und Phosphor (P) füttert, braucht hinterher auch weniger N und P mit der Gülle zu verwerten, so der Ansatz.

Bei stark N-reduziertem Futter müssen Aminosäuren ergänzt werden, was sich ggf. auf den Futterpreis auswirkt. Zu bedenken gab Meyer, dass die sich ständig verbessernden Leistungen kontraproduktiv bezüglich des Flächenbedarfs im Betrieb sein können, da mehr Umtriebe in der Schweinemast mehr Nährstoffausscheidungen bedeuten.

Grundsätzlich müssen Rationen genau auf den Punkt optimiert werden. Für Eigenmischer heißt das z. B. regelmäßige Futtermitteluntersuchungen. Denn hier nur mit „Tabellenwerten“ zu rechnen, passe nicht. Passgenau füttern heißt auch, die Gewichtsentwicklung seiner Tiere genau zu kennen. Sicherheitszuschläge sollten laut der Fütterungsreferentin nicht mehr gemacht werden.

Wie die Fütterungsfachfrau deutlich machte, sitzt den Schweinehaltern auch die jetzt für 2018 geplante neue TA-Luft im Nacken, sieht sie doch eine Reduzierung der NH3-Emissionen aus der Schweinehaltung vor.

Noch gut ein Jahr bis zur betäubungslosen Kastration

Noch gut ein Jahr Zeit haben die Sauenhalter in Deutschland, bis das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln kommt. Neben der Ebermast, der Immunokastration und der Kastration unter Vollnarkose wird neuerdings viel über die Kastration mit lokaler Betäubung und Schmerzbehandlung diskutiert.

Über Letztere informierte Dr. Andreas Randt vom TGD. Für den Tierarzt ist die lokale Betäubung, durchgeführt durch den Landwirt, das „Mittel der Wahl“ ab 2019. Die kastrierten Ferkel sind durch eine lokale Betäubung nicht eingeschränkt, sie gehen sofort wieder ans Gesäuge und zeigen keine Schmerzreaktion.

Zugelassen für die lokale Betäubung ist derzeit nur Procain. Randt hofft auf eine Zulassung von Lidocain, das eine  deutlich bessere Wirksamkeit hat, bei anderen Tierarten eingesetzt werden darf, derzeit aber nicht bei Schweinen. Zudem dürfen bislang nur Tierärzte, nicht aber Landwirte das Lokalanästhetikum verabreichen.

Auch diesbezüglich setzt der TGD-Geschäftsführer auf eine Änderung der Vorschriften bis 2019. Kritisch wird die Kastration mit lokaler Betäubung allerdings von vielen Tierärzten gesehen.

Trends in der Ernährung

Dr. Josef Efken vom Braunschweiger Thünen-Institut geht davon aus, dass der Schweinefleischverzehr in Deutschland weiter zurückgehen wird. Dabei sei nicht klar wohin die Reise aus Verbrauchersicht gehen soll – mehr bio, mehr regional, mehr tiergerecht, ohne Antibiotika?

Efken forderte die Schweinehalter auf, die aktuellen Fragestellungen gemeinsam mit der gesamten Wertschöpfungskette anzugehen und aus der Branche heraus Wege zu entwickeln. Grundsätzlich sah er die Veredlungshochburgen positiv, da hier die dazugehörige Wirtschaft vor Ort sei, Wissen gebündelt werde etc.

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