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Marktstrukturen

Macht des Lebensmitteleinzelhandels - erste Schritte

Lebensmittelhandel
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
28.03.2018

Endlich ist die Katze aus dem Sack! Seit Jahren verspricht Agrarkommissar Phil Hogan, dass er etwas gegen die Marktmacht des Handels unternehmen will.

Simon Michel-Berger

Ein bisschen enttäuscht bin ich vom nun vorliegenden vorläufigen Ergebnis schon. Denn Hogan will zwar eine Handvoll unfairer Handelspraktiken verbieten (z. B. Listungsgebühren), aber umsetzen sollen das die EU-Staaten. Auf europäischer Ebene will er nur jährlich Berichte sehen, was die Länder so alles treiben. Das ist angesichts von Überlegungen, die bis zu einer neuen europäischen Beschwerdestelle für Erzeuger gingen, etwas dürftig.

Einen großen Vorteil hat so ein Vorschlag aus Hogans Sicht: Er kostet ihn selber fast kein Geld. Drei Kommissionsbeamte in Teilzeit, ein Büro, eine hübsche Website – 1,5 Millionen Euro im Jahr sind dafür eingeplant. Wenn im Gegenzug EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger das Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik um acht Milliarden Euro oder noch mehr im Jahr kürzt, dann wäre das ein ziemlich schlechtes Geschäft.

Doch so eine Sicht würde verkennen, dass die EU zum ersten Mal überhaupt Schritte unternimmt, Mißbräuche von Marktmacht in der Lebensmittelkette zu bekämpfen. Das ist, egal was am Ende herauskommt, eine echte Leistung des Agrarkommissars.

Nun kann sich am Vorschlag der Kommission, der voraussichtlich am 12. April offiziell gemacht werden wird, noch das eine oder andere ändern. Das EU-Parlament hat bereits Verschärfungen in Aussicht gestellt. Klar ist, dass am Ende deutliche Verbesserungen für die Landwirte herauskommen müssen. Leeres Gerede und schöne Phrasen helfen nicht, die Ergebnisse zählen.

Eines wird jedoch auch in Zukunft noch gelten: Wenn die Landwirte mehr für ihre Erzeugnisse haben wollen, ist es zu wenig, den Handel als Erzfeind anzusehen. Er ist auch ein wichtiger, wenn auch oft zäher, Geschäftspartner.

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