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Dürrehilfe

Was man aus der Krise lernen kann

Vetrockneter Mais
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
09.08.2018

Wenn sich ein Landwirt dieser Tage richtig aufregen will, muss er nur in die Kommentarspalten der großen Nachrichtenportale zum Thema Dürrehilfen schauen.

Simon Michel-Berger

Der Wunsch des Deutschen Bauernverbandes nach einem Ausgleich der Schäden – die sich auf rund eine Milliarde Euro belaufen sollen – wird dort von vielen zum Anlass genommen, mal wieder auf die vermeintlich gierigen Bauern einzudreschen. Besonders schlimm wird es, wenn den Landwirten eine Mitschuld am Klimawandel aufs Brot geschmiert wird. Jetzt auf die Bauern zu zeigen ist ungefähr so, als würde man die Bewohner der Stadt Fukushima für den Reaktorunfall mitverantwortlich machen. Frei nach dem Motto: Hättet ihr nicht so viel Strom verbraucht, hätte man euer Kernkraftwerk nicht bauen müssen.

Doch aufregen bringt nichts, wenn man nicht auch etwas lernt. Wer das tun will, sollte in ein Land schauen, wo die Landwirte wirklich Hilfsgelder in Milliardenhöhe bekommen: Die Regierung des australischen Bundesstaates New South Wales hilft ihren Bauern mit einer Milliarde australischer Dollar (gut 630 Millionen Euro) und niemand regt sich auf. Es gibt sogar private Initiativen, Geld für betroffene Bauern zu sammeln. Über eine Million australische Dollar sind dabei zusammengekommen – mit Unterstützung beispielsweise aus der Gastronomie.

Warum ist der Landwirt, der in einer Notlage Hilfen bekommt, bei uns tendenziell ein Schmarotzer, in Australien aber ein Mitbürger in Not? Die Antwort ist vielschichtig. Die Agrarwirtschaft macht dort einen relativ größeren Teil des Bruttonationalprodukts des Landes aus. Doch eine Rolle spielt sicher auch, dass Landwirtschaft und Gesellschaft sich nicht so weit entfremdet haben wie bei uns. Daran sollten alle denken, die glauben, dass dem Berufsstand Öffentlichkeitsarbeit ohnehin nichts bringt.

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