Login
Heidl im Interview

Die Marke Bayern in Wert setzen

Walter Heidl
Thumbnail
Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
24.05.2017

München - Walter Heidl wurde für die nächsten fünf Jahre als Präsident des Bayerischen Bauernverbandes bestätigt. Wir sprachen mit ihm über die größten Herausforderungen und die Chancen der bayerischen Bäuerinnen und Bauern.

Wochenblatt: Wie sieht die Bilanz der abgelaufenen Wahlperiode aus?
Heidl: Wir sind gestartet mit zwei wirtschaftlich guten Jahren, aber dann kam die Krise auf den Märkten, die zudem noch überlagert wurde durch die pauschalen Angriffe auf die moderne Landwirtschaft. All diese Entwicklungen erforderten sehr intensive Detailarbeit.

Wochenblatt: Intensive Detailarbeit ist uns zu wenig. War die auch erfolgreich?
Heidl: Eindeutig ja. Ich nenne nur ein Beispiel, das Thema Ferkelkas­tration, das uns die letzten fünf Jahre begleitete. Da war der Bayerische Bauernverband anfangs alleine mit dem Vorschlag auch die örtliche Betäubung bei der Kastration zu prüfen, auch innerhalb des Berufsstands. Inzwischen steht die gesamte Landwirtschaft hinter diesem Weg und auch die Lebensmittelbranche schwenkt jetzt darauf ein, weil nur auf diesem Wege alle Anforderungen erfüllt werden können.

Wochenblatt: Was sind die größten Herausforderungen in der angelaufenen Wahlperiode?
Heidl: Eindeutig im Vordergrund steht für mich die Imagearbeit für die Landwirtschaft. Da haben wir große Herausforderungen zu meistern, weil wir da gegen das ein oder andere Geschäftsmodell in der Politik, von Umwelt- und Tierschutzorganisationen und auch manchen Medien ankämpfen müssen.
Aber auch die Rahmenbedingungen für die Tierhaltung, die nächste Reform der EU-Agrarpolitik, sind dicke Bretter, die wir bohren müssen. Und ich bin mir auch sicher: Da kommt auch noch das ein oder andere auf uns zu.

Wochenblatt: Sehen Sie auch Bereiche, wo es ein weiter wie bisher nicht geben wird?
Heidl: Wir haben uns in der Landwirtschaft immer weiterentwickelt, und zwar so, wie es sinnvoll und möglich war. Besonders deutlich ist das, wenn man die Ställe von früher und heute vergleicht. Oder die Entwicklungen in der Landtechnik: Ein Schleppersitz von vor 30, 40 Jahren und jetzt. Da geht’s um die Gesundheit, die Bandscheiben des Schlepperfahrers.
Ganz aktuell geht es zum Beispiel darum, neue Erkenntnisse im Bereich Wasser- und Gewässerschutz einfließen zu lasen. Mit dem Wasserpakt sind wir als Bauernverband deshalb mit einer Selbstverpflichtung vorangegangen. Wir werben dafür, in den Förderprogrammen wie Kulap oder auch im Greening Randstreifen anzulegen. Die Betriebe wollen einen Beitrag leisten. Und auf diesem Wege gibt es auch gute Möglichkeiten.

Wochenblatt: Gibt es auch Kriterien, Rahmenbedingungen, Leitplanken unter denen Veränderung, Weiterentwicklung nicht diskutierbar ist?
Heidl: Ein Beispiel ist die Diskussion um den Wolf in Bayern unter dem Blickwinkel Biodiversität. Wer unsere Almen schätzt, wo wir ökologisch hochwertige Pflanzengesellschaften – Stichwort Orchideen – haben, wo Wertschöpfung über die Beweidung und die Bewirtung von Gästen erzielt wird, wo die Offenhaltung attraktive Rahmenbedingungen für den Tourismus schafft, da muss sich die Gesellschaft entscheiden. Will sie diese Leistungen der Almbauern oder will sie den Wolf? Beides geht nicht.

Wochenblatt: Wo liegen in den nächsten Jahren die größten Chancen für die Bäuerinnen und Bauern?
Heidl: Ich sehe Chancen, speziell für die bayerische Landwirtschaft, wenn es uns gelingt, das gute Image, das Bayern in der Öffentlichkeit hat, in Wert zu setzen. Daran arbeiten momentan intensiv mit dem Verein Unsere Bayerischen Bauern. Wir wollen die Marke, das Logo über alle möglichen Kanäle, insbesondere die sozialen Medien bekannt machen. Der Verbraucher soll, wenn er das Logo auf einem Produkt sieht, sofort wissen: Das ist ein bayerisches Produkt. Und so wollen wir auch zusätzliche Wertschöpfung zum Beispiel für unsere hochwertigen Milchprodukte auf dem regionalen Markt sowie auf dem Exportmarkt ermöglichen – und zwar exklusiv für die bayerische Landwirtschaft.
Ein positives Zeichen ist, dass der Preisaufschlag der für Schweinefleisch bei „Geprüfte Qualität Bayern“ bezahlt wird, bereits von zwei auf fünf Cent erhöht wurde. Wir sind also auf dem richtigen Weg.

Auch interessant