Login
Düngegesetz

Mehr Bürokratie für fast alle

Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
19.01.2017

München - Eines, bei aller Kritik, vorne weg: Es hätte noch schlimmer kommen können. Zu den Forderungen der EU-Kommission an Deutschland hatten so einschneidende Maßnahmen gehört, wie ein Verbot der Düngung ab 15 Prozent Hangneigung. Immerhin das scheint vom Tisch – auch wenn, angesichts des laufenden Vertragsverletzungsverfahrens der EU gegen die Bundesrepublik, das letzte Wort aus Brüssel noch nicht gesprochen ist.

Simon Michel-Berger

Für die Bauern bleiben aber auch so noch genügend Baustellen. Viele der in der Vergangenheit angedrohten neuen Auflagen (etwa die einstündige Einarbeitungsfrist für Gülle) gibt es noch. Sie stehen jetzt allerdings im Bereich der Länderöffnungsklausel. Somit könnte in den mit Nitrat – und neuerdings auch mit Phosphat – schwer belasteten sogenannten „roten“Gebieten ein Bundesland Maßnahmen wie ein komplettes Verbot der Phosphatdüngung einführen. Kein Witz: Ein Bundesland könnte quasi den Einsatz von Wirtschaftsdünger in bestimmten Gegenden komplett verbieten. Letzte Details stehen zwar noch aus, doch es scheint nicht unwahrscheinlich, dass solche Schritte in einigen rot-grünen Bundesländern in Zukunft ergriffen werden.

Betroffen werden auch die kleinen Betriebe sein. Beispiel: Wer Gärreste oder Gülle aufnimmt, muss wohl automatisch einen Nährstoffvergleich machen. Das trifft etwa Nebenerwerbsbetriebe, die ihren Dünger nicht im Handel kaufen, sondern von einer Biogasanlage beziehen. Sie müssen sich künftig genau überlegen, ob sie die neue Bürokratie in Kauf nehmen wollen, die die Einsparung bei den Düngekosten mit sich bringt.

Ein Mehr an Bürokratie, so viel steht heute schon fest, wird das neue Düngerecht fast allen Bauern bringen. Bis die neuen Vorschriften in Kraft treten, ist nur noch an den kleinsten Stellschrauben zu drehen.

Auch interessant