Login
Kommentar

Mehr als nur Wetter-Apps

Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
14.12.2017

Ob die Digitalisierung der Landwirtschaft eine Vision oder Alptraum ist, beantwortet jeder Bauer anders. Aber kann er sich dieser überhaupt verweigern?

Simon Michel-Berger

Ein Stückchen Digitalisierung trägt mittlerweile über die Hälfte der deutschen Bauern in der Hosentasche mit herum: Agrar-Apps auf dem Smartphone, allen voran solche zum Wetter. Das ist natürlich eine gute Nachricht – aber noch ein gutes Stück entfernt von der Wunderwelt der Digitalisierung, die Technik-anbieter und Politik zunehmend für die Landwirtschaft zeichnen.

Das Bild vom Landwirt, der sich nur noch mit seinem Tablet durch Feld und Stall bewegt und dort zu jedem Tier und jedem Quadratzentimeter Boden genaue Leistungswerte abliest, hat schon etwas Faszinierendes. Auf Grundlage von riesigen Datenbanken und Algorithmen soll sich genau vorhersagen lassen, an welchem Stellschräubchen der Bauer noch drehen kann, um das Beste aus seinem Betrieb herauszuholen.

Vision oder Alptraum? Das beantwortet jeder Bauer anders. Wir werden uns noch vielen Fragen nach den digitalen Machtverhältnissen stellen müssen, wenn die Daten zwar den Bauern gehören, deren Auswertung aber nur mittels Milliarden teurer Rechenprozessen im Besitz großer Konzerne möglich ist. Software von Google kann heute jeder Betreiber einer Hofladen-Website nutzen, um besser herauszufinden, wer wann seine Seite besucht, woher er kommt und was er kauft. Um diesen kostenlosen Dienst nutzen zu können, muss er aber einwilligen, bestimmte Daten in anonymisierter Form mit Google zu teilen.

Längst gibt es in den USA Fälle, wo beispielsweise der Schlepper Bodendaten erfasst und diese werden dann – ebenfalls in anonymisierter Form – allen möglichen Nutzern bis hin zu Immobilienmaklern zum Kauf angeboten. Jetzt kann man sagen: Der Bauer hätte doch so einer Nutzung nicht zustimmen müssen. Stimmt, muss er heute auch nicht. Aber muss er morgen, wenn er von der Digitalisierung nicht abgehängt werden will?

Auch interessant