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Tierwohlkennzeichen

"Wir machen mehr Tierwohl sichtbar"

Julia Klöckner
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
06.02.2019

Julia Klöckner stellt die Kriterien des staatlichen Tierwohlkennzeichens vor - und erntet Kritik von Bioland.

Nachdem sie den Gesetzentwurf für ein dreistufiges Tierwohlkennzeichen zur Notifizierung in Brüssel vorgelegt hat, hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Kriterien für das neue staatliche Tierwohlkennzeichen der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Siegel hat zur Voraussetzung, dass nur diejenigen damit werben dürfen, die verpflichtend und überprüfbar höhere Tierschutzanforderungen - die über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen - erfüllen. Mindestens 20 Prozent mehr Platz für die Tiere gelten bereits in der ersten Stufe, aber auch ressourcen- und managementbezogene Kriterien werden miteinbezogen. Das Kennzeichen wird zunächst für Schweine gelten und dann schrittweise ausgeweitet werden.

"Bei der Verleihung des Kennzeichens nehmen wir die gesamte Lebensspanne eines Tieres in den Blick: von der Geburt bis zur Schlachtung. Verbraucher sollen schnell erkennen können, wo mehr Tierwohl drinsteckt, und Tierhalter sollen für ihre Mehrinvestitionen zum Wohle der Tiere honoriert werden. Denn: Die Mehrkosten für mehr Tierwohl kann nicht alleine der Tierhalter tragen. Wir Verbraucher sind gefragt, unseren Wünschen nach mehr Tierwohl beim Einkauf auch Ausdruck zu verleihen", sagte Klöckner bei der Pressekonferenz.

Mit Material von BMEL

Kritik von Bioland

Die Kriterien des Tierwohlkennzeichens seien zu kurz gegriffen und kontraproduktiv für den Umbau der Nutztierhaltung hin zu mehr Tierschutz, findet man bei Bioland. „Rund 20.000 Bio-Tierhalter, die bereits höchste Standards der artgerechten Tierhaltung praktizieren, werden bei diesem Kennzeichnungssystem ausgegrenzt. Statt das bewährte und vom Verbraucher gelernten System der Eierkennzeichnung auf den Fleischbereich anzuwenden und die höchste Label-Stufe der Bioerzeugung zuzuordnen, setzt Klöckner ein kompliziertes Kriteriensystem mit wenig Substanz für den Tierschutz durch. Engagierte Biobetriebe finden sich in keinster Weise in diesem System wieder“, kritisiert Jan Plagge, Bioland-Präsident. Er warnt Klöckner davor, für die aus Sicht des Tierwohls unzureichende Einstiegsstufe, Prämienzahlungen pro Schwein an die Landwirte zu zahlen. Geplant sind Zahlungen von insgesamt über 100 Millionen Euro. „Die Gelder für mehr Tierwohl müssen gezielt an diejenigen Betriebe fließen, die ein besonders hohes Niveau einer artgerechten Nutztierhaltung umsetzen und entsprechende Stallsysteme um- oder neubauen“, so Plagge.

Mit Material von Bioland
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