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Brexit

Mehr Unsicherheit

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
01.07.2016

München - Wenn Großbritannien aus der EU ausscheidet, hat das auch für die Landwirte Folgen.

Simon Michel-Berger

Hart trifft die Unsicherheit über die Zukunft zunächst die britischen Bauern. 60 Prozent ihres Durchschnittseinkommens kommen von den EU-Direktbeihilfen. Wer langfristige Kredite laufen hat, könnte demnächst von seiner Bank die Aufforderung bekommen, zusätzliche Sicherheiten beizubringen.

Knapp sieben Milliarden Euro hat die britische Regierung 2013 in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) eingezahlt, knapp vier Milliarden davon wieder als Agrarförderung erhalten. Dass man in Großbritannien diese Gelder auch künftig eins zu eins weiter an seine Bauern fließen lässt, ist zumindest unwahrscheinlich.

Ein Vorteil: Britannien wird, in mehr oder weniger starkem Rahmen, wieder Hoheit über seine Agrar- und Umweltpolitik gewinnen. Was die britische Politik daraus aber macht, bleibt abzuwarten. Gleiches gilt für den Agrarhandel mit der EU.

Auch auf unsere Bauern kommen unsichere Zeiten zu. Die Entscheidungsfindung in Brüssel wird, angesichts des bevorstehenden Brexits, komplizierter. Die Gestaltung eines zweiten Hilfspakets für die Bauern könnte sich deutlich verzögern.

Im EU-Parlament würde nach dem Ausscheiden der britischen Abgeordneten die Europäische Volkspartei an Bedeutung gewinnen. Im Ministerrat werden die Fürsprecher eines marktorientierten Europas mit geringer staatlicher Gängelung weniger. Die Befürworter neuer Technologien im Agrarbereich verlieren Rückhalt. Vorreiter waren die Briten auch beim Kampf gegen die Marktmacht der Supermärkte. Die Direktzahlungen könnten zudem um durchschnittlich fünf Prozent sinken – so hoch ist der Anteil der von den Briten netto ins Agrarbudget eingezahlten Gelder.

Die GAP steht, wie die gesamte EU, vor einer neuen, großen Bewährungsprobe. Wie gut sie diese meistern wird, ist noch völlig offen.

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