Login
Klimaschutz

Mehr Wälder gegen den Klimawandel

Merkel
Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
16.05.2019

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert von Land- und Forstwirtschaft mehr Aufforstung und eine größere Speicherung von Kohlendioxid. In die gleiche Richtung steuern beim Agrarrat EU-Kommission und mehrere Mitgliedstaaten.

Selbst wenn, was momentan wahrscheinlich scheint, Deutschland seine Klimaziele bis 2020 nicht erreicht, muss es alles tun, um die Ziele für 2030 zu erreichen. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag beim 10. Petersberger Klimadialog in Berlin. Das nationale Ziel der Bundesrepublik ist es, die eigenen Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 40 % gegenüber 1990 zu senken. Bis 2030 sollen es mindestens 55 % sein.
Die Bundeskanzlerin verwies darauf, dass es für die Industrie mit den Emissionszertifikaten bereits ein Instrument zur Erreichung dieses Ziels gebe. Für andere Sektoren, darunter die Landwirtschaft, sei das nicht der Fall. Bis Jahresende sollen entsprechende Maßnahmen beschlossen werden. Wörtlich sagte Merkel: „Wir müssen schauen, welcher „Mix aus Ordnungsrecht und vielleicht auch marktwirtschaftlichen Methoden“ der richtige ist.“ Die Bundeskanzlerin kündigte an, im Klimakabinett zu prüfen, ob es möglich sei, eine Klimaneutralität bei den Emissionen bis 2050 zu erreichen. Das würde bedeuten, dass die menschengemachten CO2-Emissionen nicht größer sein dürften, als die in Senken gebundenen Mengen. Als Chancen nannte Merkel die Aufforstung, deren Potenzial in entwickelten Ländern allerdings begrenzt sei, und die CO2-Speicherung.
Die Bundeskanzlerin sagte in ihrer Rede auch, dass laut Schätzung der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen die globale Getreideernte dieses Jahr nicht reichen werde, um den Verbrauch zu decken. Klimabedingte Hungerkatastrophen würden zunehmen und insbesondere in Entwicklungsländern zu leidvollen Situationen führen.

Thema auch beim EU-Agrarrat

Auch beim EU-Agrarrat am Dienstag in Brüssel war der Beitrag der Land- und Forstwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel ein Thema. Das berichtet der Nachrichtendienst Agra Facts. Artur Runge-Metzger, Direktor in der Generaldirektion Klimapolitik der EU-Kommission stellte ein Papier seiner Behörde zur langfristigen Strategie der EU von 2018 vor. Demnach müssten Land- und Forstwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten jährlich zwischen 175 Mrd. € und 290 Mrd. € zusätzlich investieren. Es gehe um die Bereiche Infrastruktur, Bioökonomie, natürliche Kohlenstoffsenken, Energieeffizienz und erneuerbare Energien.

Die landwirtschaftliche Produktion von Biomasse – für Strom, Biogas und neue Biokraftstoffe – würde 2050 eine wesentlich größere Rolle einnehmen als bisher. Produktivität und Produktion müssten steigen, die Treibhausgasemissionen aber sinken. Runge-Metzger ermutigte Investitionen in die Entwicklung von Projekten, um mehr Kohlenstoff in Land- und Forstwirtschaft zu speichern, die Aufforstungsrate zu steigern, Abholzung zu begrenzen und nachhaltiges Bodenmanagement zu fördern.

Hogan mahnt zur Eile – und zur Aufforstung

EU-Agrarkommissar Phil Hogan rief dazu auf, schnell mehr für die Umwelt und gegen den Klimawandel zu tun. Er betonte: „Wenn wir bis Mitte des Jahrhunderts Kohlenstoff-neutral sein wollen, müssen wir alle Mittel, die uns zur Verfügung stehen, nutzen, um nicht nur die Effizienz der Kohlenstoffnutzung zu steigern, sondern auch die absoluten Emissionen zu senken - und zwar ohne, dass wir die Nahrungssicherheit gefährden.“

Hogan erinnerte an Initiativen der EU, zusätzliche Wälder anzupflanzen. Zahlreiche Delegationen unterstützten ihn und unterstrichen, wie wichtig Kohlenstoffbindung und Aufforstung für eine kohlenstoffneutrale Gesellschaft seien. Die Staats- und Regierungschefs der EU werden sich im Juni mit dem Thema beschäftigen.

Auch interessant