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Politik

Miteinander – füreinander

von , am
11.09.2015

<b>München</b> - Am 7. September 1945 wurde der Bayerische Bauernverband gegründet. Seither setzt er sich unermüdlich für den Betriebserfolg seiner Mitglieder ein.

Bauernprotest 1981: Als Teil einer bundesweiten Aktion, zu der die Bauernverbände aufgerufen hatten, demonstrierten rund 35 000 Bauern auf dem Marienplatz gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung.
Bei der Gründung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) wurde in München eine Proklamation unterzeichnet. Die Flugblätter mit dem Titel „An das bayerische Landvolk“ wurden in den kommenden Wochen in den Dörfern angeschlagen und die Grundsätze im Rundfunk verbreitet: „Einig und geschlossen wollen wir an die Arbeit gehen. Die so oft versuchte Bauerneinigung wird jetzt geschaffen.“
Zum ersten Präsidenten wurde Josef Sturm, Bauer aus der Nähe von Dingolfing, gewählt, den Posten als Generalsekretär übernahm Dr. Alois Schlögl. Letzterer war es auch, der die Vorgespräche für die Gründung der neuen Bauernorganisation geführt hatte.
Dabei ging es um zwei grundsätzliche Ziele: Auf der Basis parteipolitischer Unabhängigkeit sollte durch eine Einheitsorganisation die Zersplitterung in der Zeit vor 1933 ersetzt werden. In der Weimarer Republik hatten sich der Bayerische Christliche Bauernverein, der Bayerische Landbund und der Bayerische Bauern- und Mittelstandsbund gegenseitig das Leben schwer gemacht. Anstelle einer Zwangsorganisation wie dem Reichsnährstand sollte außerdem eine freie und unabhängige Bauernorganisation entstehen.
Am 21. Dezember 1945 erhielt der BBV im Münchner Rathaus dann die schriftliche Arbeitserlaubnis aus dem amerikanischen Hauptquartier in Frankfurt überreicht.
Anfang 1946 begann der Aufbau der Orts-, Kreis- und Bezirksverbände. Bauern, Bürgermeister, Landräte und Mitarbeiter des Bauernverbandes verbreiteten die Ziele und Grundsätze des Bauernverbandes. Innerhalb eines halben Jahres waren 100 000 Mitglieder eingeschrieben, und im Laufe des Folgejahres verdoppelte sich die Zahl.
1948 wurde der Bayerische Bauernverband als Verein in das Vereinsregister eingetragen.
Zuvor, bereits vier Monate nach seiner Gründung, wurden ihm die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. Damit war der Verband als die Berufsorganisation der bayerischen Landwirtschaft und als Vertreter der „Belange der Landwirtschaft in allen Fragen des ländlichen Lebens“ anerkannt (Zitat aus der Körperschaftsurkunde). Man verstand sich als „politischer Interessen- und Kampfverband“.

Landwirtschaftsfest und Bildungsstätte

1949 veranstaltete der BBV erstmals nach dem Krieg wieder ein Bayerisches Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF). Zeitgleich fand vom 22. bis 24. September 1949 der 1. Deutsche Bauerntag in München statt.
1948 wurde die Bauernschule in Ottobeuren gegründet. 1950 folgte die Gründung der ersten Bäuerinnenschule auf dem Hartschimmelhof. Das Haus der bayerischen Landwirtschaft Herrsching ist seit 1976 die Bildungsstätte des BBV.

Finanzierung des Verbandes

Eine zentrale Frage beim Aufbau des Bayerischen Bauernverbandes war die Finanzierung. Eine kurzzeitig praktizierte Pflichtumlage wurde bald durch einen freiwilligen Beitrag ersetzt, den seither die Landesversammlung als höchstes Gremium jährlich festlegt.
Für die Erledigung der vom Staat übertragenen Körperschaftsaufgaben bezahlt der Freistaat Bayern eine zuletzt im Bayerischen Agrarwirtschaftsgesetz gesetzlich verankerte Kostenerstattung. In jedem Dorf bestand von Anfang an ein Ortsverband mit dem Ortsobmann als dem „Repräsentanten der Bauern“ und mit der Ortsbäuerin als örtliche Vorsitzende der Landfrauengruppe.

Die Maxime: Nähe
zum Mitglied

Nah am Mitglied – das ist bis heute die Maxime des BBV. So hat der BBV auch heute noch 6735 Ortsverbände und jeweils rund 14 000 im 5-jährigen Turnus gewählte weibliche und männliche Ehrenamtliche.
Die von den Ortsobmännern gewählten Kreisobmänner gehören in der Regel auch dem Bezirksvorstand und damit der Landesversammlung an – die optimale Voraussetzung für Transparenz und für die Meinungs- und Entscheidungsfindung in allen Gremien, auf allen Ebenen und auf kurzem Weg.
Kurz sollen auch die Wege des Mitglieds zu seinem Verband als Dienstleister sein. Dafür stehen die Geschäftsstellen des Bayerischen Bauernverbandes, die ein Netz über ganz Bayern spannen. Dort erhalten BBV-Mitglieder Rat und Auskunft in Rechts-, Steuerfragen und in sozialen Fragen.
Die Geschäftsstellen fungieren gleichzeitig als Verwaltungsstellen der Landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger.

Spezialisierung und Professionalisierung

Die abnehmende Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und die Abnahme der Mitgliederzahl zwangen in den letzten Jahren zu einer Straffung des Dienststellennetzes, die zunehmende Komplexität der Beratungsthemen zu einer Professionalisierung und Spezialisierung der Mitarbeiter. Die veränderte und deutlich erweiterte Anspruchslage bei den Mitgliedern hat der Bayerische Bauernverband jedoch schon sehr viel früher aufgegriffen und spezialisierte Dienstleistungsunternehmen gegründet. Als erstes wurde 1979 die BBV Buchstelle zur umfassenden Beratung in Buchführung, Steuern und Betriebswirtschaft gegründet. Heute bestehen insgesamt acht BBV-Dienstleistungsunternehmen mit hoch qualifizierten Angeboten. Davon kann jeder Betrieb profitieren. Mit dem Bäuerlichen Hilfsdienst und der BBV Stiftung Land und Leben existieren darüber hinaus zwei Einrichtungen, finanziert aus Spenden und Zustiftungen, mit denen der Bayerische Bauernverband hilfreich und direkt soziale Mitverantwortung für die Menschen im ländlichen Raum praktiziert. Die von der BBV LandSiedlung gegründete Bayerische KulturLandStiftung engagiert sich für die heimische Umwelt.

Die Mitgliedschaft beim BBV

Die Arbeit des BBV nützt den Mitgliedern in vielerlei Hinsicht – sei es durch Erleichterungen, verhinderte Auflagen oder finanzielle Hilfen, Erstattungen oder Sonder- konditionen:
  • Starke Unterstützung bis 2020
Mit dem Beschluss zum EU-Haushalt gelang es, die Grundsicherung für alle bayerischen Bauernfamilien mit jährlich 1 Mrd. € zu erhalten. Pläne für eine Kürzung um 30 % sind damit vom Tisch. Durchschnittlich betragen die Unterstützungen über die EU-Agrarpolitik mehr als 50 % des landwirtschaftlichen Einkommens der bayerischen Familienbetriebe.
  • Agrardiesel
Trotz der geplanten Abschaffung konnte die Entlastung erhalten werden. Das macht etwa 25 €/ha aus. Bei einer Abschaffung wären jährlich 80 Mio. € weggefallen.
  • Förderung im Wald
Die Förderung von Waldbesitzern und Forstzusammenschlüssen konnte gesichert und weiter verbessert werden. So ist zum Beispiel die Finanzausstattung für den Waldumbau erhöht worden.

Dienstleistungsangebote

Die Dienstleistungsangebote des BBV umfassen auch eine Reihe von Rahmenverträgen und Rabattvereinbarungen. BBV-Mitglieder können so bei vielen Partnerunternehmen Rabatte und Sonderpreise in Anspruch nehmen. Das Angebot reicht von Autos und Anhängern, über Technik für Haus und Hof bis zur Berufsbekleidung.
Mitglieder des Bayerischen Bauernverbandes erhalten auch individuelle Hilfe und Beratung an den BBV-Geschäftsstellen vor Ort. Die Mitarbeiter helfen bei Rechts- und Sozialfragen, unterstützen bei amtlichen Dokumenten, beraten bei Verträgen und vertreten die Interessen der Land- und Forstwirtschaft in der kommunalen Planung. Bei komplexeren Fragen zu Steuer, Betriebsführung oder Versicherungen sind die BBV-Dienstleistungsunternehmen sofort zur Stelle, um individuelle Fälle schnell und zuverlässig zu lösen: Kompetenz aus einer Hand!
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