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Aus der Landespolitik

Der Münchner aus dem dritten Stock und der Wolf

Alexandra Königer, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
am
09.02.2017

München - Die Betroffenheit macht den Unterschied: Der eine, der in der Stadt im dritten Stock wohnt, jubelt, die anderen, darunter Viehhalter, sind voller Sorge – wegen des Wolfes, der sich voraussichtlich langsam in Bayern breit macht. CSU und Freie Wähler (FW) fordern bereits jetzt die Absenkung des strengen Schutzstatus des Wolfs, SPD und Grüne bezeichnen das als Panikmache.

Europäischer Grauwolf

Die Zielvorgabe der FFH-Richtlinie besagt, dass sich für den Wolf in der gesamten EU ein gesunder Erhaltungszustand einstellen soll – davon ist Bayern allein schon aufgrund der vermuteten Einzeltiere weit entfernt. „Wir sind in Bayern beim Wolf im einstelligen Bereich und sollten abwarten, ob der Zuwachs überhaupt kommt“, meinte der Ausschussvorsitzende Christian Magerl (Grüne) vergangene Woche im Umweltausschuss.
Das sehen CSU und FW anders: „Wir sehen auf die Landwirtschaft, vor allem auf die Weidewirtschaft, massive Probleme zukommen“, sagte Eric Beißwenger (CSU). „Es kommt eben immer darauf an, ob einem die 70 Schafe gehören oder ob man im dritten Stock in der Stadtwohnung wohnt.“ Derjenige sei eben nicht betroffen in der Sache – im Gegensatz zu denen, die ihre Tiere auf Weiden halten und Risse befürchten. „Wie soll man auf 40.000 Hektar Almweiden Herdenschutz machen?“, fragte Nikolaus Kraus (FW). Auch für ihn ist klar: Der Schutzstatus muss runter, damit, wie die CSU es in ihrem Antrag schreibt, „die Möglichkeit geschaffen wird, die Population durch den Menschen zu regulieren“, also Wölfe abzuschießen.
Das ist laut Christian Magerl bereits jetzt möglich: Bei „Problemwölfen“ bietet das Bundesnaturschutzgesetz Ausnahmen. Auch die SPD lehnt einen geringeren Schutzstatus ab, genauso wie unlängst geforderte „wolfsfreie Zonen“: „Das heißt Totalabschuss in bestimmten Gebieten und Abschuss der Jungtiere in umliegenden Gebieten, das muss man sich mal vergegenwärtigen“, sagte Florian von Brunn (SPD). Für Herbert Woerlein (SPD) ist die Forderung nach einer Absenkung des Schutzstatus „eines Umweltpolitikers unwürdig“.
Ungewöhnlich offen erklärte die CSU ihre Motive: „Wir wissen um den Widerspruch, aber wir sind die Partei des Eigentums. Wenn ich die Grundeigentümer nicht mehr unterstütze, sagen die, wir sind nicht mehr deren Vertreter“, sagte Otto Hünnerkopf (CSU). Die SPD konterte: „Dann sind wir auch für die zuständig, die in München im dritten Stock wohnen und den Wolf einmal sehen wollen“, erklärte Harry Scheuenstuhl (SPD).
In Sachen Schutzstatus brachte die ganze Diskussion nicht allzu viel: Zwar setzte die CSU mit ihrer Mehrheit und Unterstützung der FW ihre Forderung durch, aber das zuständige Umweltministerium hat da eine ganz andere Auffassung: „Der Schutzstatus des Wolfes wird auf absehbare Zeit so bleiben wie er gesetzlich vorgeschrieben ist“, erklärte Dr. Peter Boye im Ausschuss. Will heißen: Was die CSU-Fraktion da fordert, lässt sich derzeit nicht umsetzen.
In einem Punkt herrschte allerdings Einigkeit – und da kann das Umweltministerium kritiklos und umgehend durchstarten: Alle Fraktionen fordern, den Herdenschutz zu verbessern, eine 100 %ige Entschädigung bei Wolfsrissen zu gewährleisten und endlich eine Förderrichtlinie aufzulegen, die Präventionsmaßnahmen ermöglicht – andere Bundesländer hätten das längst vorgemacht.

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