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Lieber Leser

Wir müssen uns entscheiden

Fabrikschlot
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
12.09.2019

Es kommen ja immer wieder Zweifel auf, ob unsere Bundesregierung noch handlungsfähig ist. Ja, sie ist es.

Kellerer Sepp

Als Beleg dafür nehme ich das Agrarpaket von letzter Woche. Dabei haben es die Kabinettsmitglieder gar nicht leicht. Dass es von den einschlägigen Verbänden Proteste hagelt, zum Beispiel am Aktionsprogramm Insektenschutz, das verwundert nicht. Dass aber die Bundestagsfraktionen der Regierungsparteien Kritik üben an den Beschlüssen, das war nicht unbedingt zu erwarten.

Bemerkenswert ist auch, dass die beiden federführenden Ministerinnen Svenja Schulze und Julia Klöckner eine Woche nach den Kabinettsbeschlüssen immer noch auf einer Linie sind. Schulze mahnte Gesprächsbereitschaft zu den Themen an, Klöckner forderte zur Abrüstung auf, weil sie eine weitere Entfremdung viele Bürger von der Landwirtschaft fürchtet und diese das Gefühl hätten, sich für eine Seite entscheiden zu müssen.

Sich nicht entscheiden müssen, könnte auch ein Synonym sein für sich raushalten, was bei einem anderen Thema, nämlich dem Klimaschutz nicht gehen wird. Ich möchte dazu mal ein paar Fakten anführen, um die Behauptung zu untermauern. Rund 60 Prozent der Ammoniakemissionen in Deutschland stammen laut Umweltbundesamt aus der Landwirtschaft, beim Lachgas sind es 80 Prozent. Da besteht ohne Zweifel Handlungsbedarf. Die Düngeverordnung bezieht sich zwar in erster Linie auf den Wasserschutz, enthält aber auch Vorschriften, die die Emissionen in die Luft eindämmen sollen. Es muss auch im Interesse der Landwirtschaft liegen, dass hier Wirkung erzielt wird. Es muss gelingen, die Nährstoffkreisläufe einigermaßen rund zu bekommen. Das Problem ist nur, dass das im Trinkwasser nicht kurzfristig messbar sein wird.

Aber noch einmal zurück zu den Treibhausgasen. Insgesamt beträgt der Anteil der Landwirtschaft daran – wieder Umweltbundesamt – sieben Prozent. Nach Aussage der gleichen Behörde sind gut 81 Prozent der Fläche Deutschlands landwirtschaftliche Nutzfläche und Wald. Knapp 14 Prozent sind Siedlungs- und Verkehrsfläche. Das heißt aber dann auch, dass – zumindest näherungsweise, – 93 Prozent der Treibhausgasemissionen von 14 Prozent der Fläche kommen. Für mich ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Wir können uns als Bürger nicht raushalten, wir werden uns selbst entscheiden müssen, wo unser Beitrag zum Klimaschutz liegen kann.

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