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Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken (FVO)

Nationalpark Frankenwald - Tourismus ja, Nationalpark nein

Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken (FVO)
Ralf Keller
am
12.06.2017

Ludwigstadt/Lks. Kronach Mit einer Stellungnahme zum geplanten Nationalpark Frankenwald ist die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken (FVO) an die Öffentlichkeit gegangen. „300 Jahre Nachhaltigkeit brauchen keinen Nationalpark!“ sagte Hans-Georg Lindig, Vorsitzender der WBV Rennsteig e.V.

Die Forstwirtschaftliche Vereinigung (FVO) mit ihren Waldbauernvereinigungen (WBV) steht mit ihren Wertevorstellungen zur bayerischen Kulturlandlandschaft und besonders zum Nachhaltigkeitsgedanken, der in Bayerns Forstwirtschaft seit 300 Jahren beachtet wird. Bayerns schönes Gesicht sei die Forst- und Landwirtschaft mit der daraus entstandenen Kulturlandschaft unter dem Programm „Schützen durch Nützen“.
Der Frankenwald wurde im Jahr 2017 zum Waldgebiet des Jahres Deutschlands gekürt, worauf die heimische Forstwirtschaft besonders stolz sei. „Wir Forstzusammenschlüsse lehnen Waldstilllegungen und Nationalparks im Frankenwald und auch anderswo ab“, heißt es in der Stellungnahme. „Wir stehen für integrierten Naturschutz im Wald und dessen Nutzung. Diese Vorgehensweise erbringt in der Gesamtbetrachtung einen höheren ökologischen Wert.“

Für Klimaschutz, gegen Erderwärmung

Wer für den Klimaschutz und gegen die Erderwärmung sei, dürfe keinen Wald stilllegen. Ein bewirtschafteter Wald neutralisiert viermal so viel CO2 wie ein nicht bewirtschafteter Wald, erklärten die Forstexperten vor der Presse. Anders ausgedrückt: Würde durch die Stilllegungen im Frankenwald der jährliche Zuwachs von rund 80 000 fm Holz nicht mehr genutzt, würde das bedeuten, dass 120 000 t CO2 nicht mehr gebunden werden. Dies wäre der CO2 -Ausstoß von 80 000 Autos jährlich, der nicht neutralisiert wird. Baue dagegen eine Familie ein Holzhaus, so würde sie mit dem Holz so viel CO2  einbauen, dass sie davon für 40 Jahre CO2-neutral Autofahren könnte.
„Der Borkenkäfer wird nicht lange auf sich warten lassen“, meinte Wolfgang Schultheiß, 2. Vorsitzender der FVO. Er erklärte das Borkenkäferproblem und die Schutzwaldfunktion als weitere „Gründe für unser Nein“:
Schon bei der Einrichtung des Fichten-Nationalparks Bayerischer Wald habe sich gezeigt, dass nicht bewirtschaftete Fichtenflächen unweigerlich eine Borkenkäfer-Katastrophe nach sich ziehen. Trotz aller Bemühungen in einer Pufferzone am Rand bleibt es nicht aus, dass benachbarter Privatwald dauerhaft durch Borkenkäfer bedroht ist. Die vorhandenen Schutzwaldbereiche in den steilen Hängen können nach Kahlfraß durch den Borkenkäfer den Boden nicht mehr schützen. Im Bayerischen Wald sind Kahlflächen nach Jahrzehnten noch nicht wieder bewaldet. Eine erhöhte Bodenerosion wäre die Folge.
Im betroffenen Gebiet gibt es große Trinkwasser-Schutzgebiete. Millionen Menschen bekommen Trinkwasser aus der Ködeltalsperre. Es sei zu befürchten, dass im sich selbst überlassenen Nationalpark unweigerlich eine Borkenkäfer-Katastrophe in kurzer Zeit große Kahlflächen verursachen wird. Auf diesen Flächen wird im großen Umfang Stickstoff freigesetzt, der in Form von Nitrat das Trinkwasser belasten kann. So könne möglicherweise ein sensibles Ökosystem gestört und verändert werden. „Für unbelastetes Trinkwasser kann dann nicht mehr garantiert werden“hieß es bei dem Pressegespräch.
Selbst der Schwarzstorch, das Wahrzeichen des Frankenwaldes, der in Fichtenbeständen nistet, sei dann gefährdet, wenn die Waldgebiete vom Borkenkäfer kahl gefressen sind. In den Frankenwaldtälern werde Weidehaltung durch den Wolf unmöglich, so dass auch die Futtergrundlage für den seltenen und schützenswerten Schwarzstorch wegfällt.
Wenn im Kerngebiet die Jagd eingestellt wird, besteht die Befürchtung, dass sich Schwarzwild stark vermehrt und auf umliegenden landwirtschaftlichen Flächen vermehrt Schäden anrichtet. Hinzu komme die Gefahr, dass dadurch Tierseuchen (z. B. Schweinepest) auf Stalltiere übergehen können und so größere Schäden in der Landwirtschaft verursachen.
Im Frankenwald bestehen noch erhebliche Flächen mit Fichtenreinbeständen. Die natürliche potenzielle Bestockung würde jedoch aus einem Fichten-Buchen-Tannenwald bestehen. Es ist belegt, dass bis ins 19. Jahrhundert hinein hohe Tannenanteile vorhanden waren. Werden diese Flächen sich selbst überlassen, so wird sich mangels anderer Samenbäume höchst wahrscheinlich wieder großflächig die Fichte ansamen, oder wie im bayerischen Wald nichts. Die einzige Chance, möglichst bald die notwendigen Buchen-und Tannenanteile dort zu integrieren, besteht in der aktiven Hiebsführung und einer aktiven Pflanzung. Die Hinführung der Wälder zur natürlichen Baumartenausstattung gelingt nur durch aktive Bewirtschaftung.
Weil Privatwald und Staatswald eng verzahnt sind, werde es nicht gelingen, eine zusammenhängende Nationalparkfläche nur aus Staatswald zu formen. Das heißt, es müssten Privatflächen, die schon seit Generationen von den Eigentümern bewirtschaftet werden, einbezogen werden. Dies wird sicherlich ein Großteil der mit ihrer Scholle verwurzelten Waldbesitzer ablehnen.

Eigenes Holz nutzen statt importieren

Gerade im Frankenwald zeige sich, dass eine angemessene, den Naturschutzgedanken berücksichtigende Bewirtschaftung der Natur mehr hilft, als das Liegenlassen einer bestimmten Fläche. Der tatsächlich vorhandene Holzbedarf sollte besser durch Nutzung des nachhaltigen Holzzuwachses in der eigenen Region befriedigt werden, als durch ökologisch nachteilige Importe.
Zudem ist die Sägeindustrie im Frankenwald aus alten Sägemühlen entstanden und hat eine jahrhundert­alte Tradition. Zum Teil wurden erst vor kurzem Investitionen in die Modernisierung der Sägewerke getätigt. Flächenstilllegungen in dieser Größenordnung würden vor Ort für die Säger und deren Zukunft ein falsches Signal setzen.
Für die angrenzenden Ortschaften würden viele Wege gekappt und eingezogen, was wieder eine Sackgasse wie zur Zeit der Zonengrenze bedeuten würde. „Wir befürworten die touristische Unterstützung des Frankenwaldes für Erholung und Urlaub“, schreibt die FVO. „Baumwipfelpfade, Wander-und Radwege sowie touristische Attraktionen können viel für den Frankenwald-Tourismus tun“, sagen die Repräsentanten der FVO, die am Freitag auch Umweltministerin Scharf an die Verpflichtung erinnern, etwas für den Norden Bayerns zu tun.

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