Login
Lieber Leser

Was neu ist und was bleiben soll

Kuh mit Glocke
Thumbnail
Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
09.11.2017

Luftige Ställe fürs Tierwohl, Geschlossene wegen den Emissionen? Die Landwirtschaft muss mit vielen Widersprüchen wirtschaften.

Sepp Kellerer

Es ist eigentlich nichts Neues, aber es zeigt den Zwiespalt auf, in dem die Landwirtschaft steckt: Ein Stall mit viel frischer Luft und viel Auslauf für die Rinder oder Schweine kann eigentlich dem Tierwohl nur förderlich sein. Aber wegen der Emissionen muss der Stall eigentlich hermetisch abgeriegelt sein.

Es ist nichts Neues, aber es zeigt die Widersprüche des Umfeldes auf, in dem die Landwirtschaft wirtschaften muss: Wenn Sie einen Stall bauen wollen, dann müssen Sie je nach Windrichtung einen bestimmten Abstand zum Wald einhalten, damit der nicht durch die Emissionen geschädigt wird. Haben Sie dann den Standort gefunden, dann erhalten Sie auch die Baugenehmigung, allerdings mit der Auflage, dass Sie den Stall mit Bäumen und Sträuchern eingrünen müssen. Was ist da dann mit den Emissionen?

Es hat sich was geändert: War die Wissenschaft über Jahrzehnte der Motor von Effizienzsteigerung, so hat sie sich in den letzten Jahren zunehmend kritisch zu den Verfahren geäußert, welche die Bauern aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen heraus umgesetzt haben.

Es hat sich noch etwas geändert: Stand bis vor einigen Jahren die Produktion beim Erfolg eines Betriebes absolut im Vordergrund, so ist das heute der Markt, der Markt in einem umfassenden Sinne! Habe ich in einem Ballungsraum zahlungskräftige Verbraucher vor der Haustür, so kann ich meine Produktion anders ausrichten, als wenn ich in einer dünn besiedelten Region Landwirtschaft betreibe.

Es ist aber auch etwas unverändert geblieben: Pauschale Aussagen sind in den meisten Fällen nicht haltbar. Insofern möchte ich hier die Kritik an der Wissenschaft von vorhin doch deutlich differenzieren. Sie arbeitet intensiv an Lösungen, die den Tieren gerecht werden, die Umwelt schonen und auch dem Landwirt bei vertretbarem Aufwand ein Auskommen ermöglichen. Einige Beispiele dazu wurden bei der KTBL-Fachtagung in Hohenheim (Seite 52) aufgezeigt. Da ist zum Beispiel der Wühltrog für die Schweine, da ist zum Beispiel die Kombination von Weidehaltung und Melkroboter in der Öko-Milchviehaltung und da ist zum Beispiel der Sensor, der jederzeit den Standort und die Bewegungen des Almviehs angeben kann.

Halt, beim letzten Punkt, da kommen mir Zweifel: die ferngesteuerten Tiere am Berg und der Bauer am Laptop im Talbetrieb? Da sind mir dann doch das Geläut der Kuhglocken und die Sennerin mit dem prüfenden Blick vor der Almhütte lieber.

Auch interessant