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Interview

Neue Landwirtschaftsministerin: „Ich nehme die Aufgabe gerne an“

Michaela Kaniber
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Alexandra Königer, Wochenblatt
am
28.03.2018

Die neue bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zeigt sich kämpferisch und spricht im Wochenblatt-Interview an, was ihr am Herzen liegt.

Seit gut einer Woche ist die neue bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) im Amt. Die Berufung der gelernten Steuerfach­angestellten aus dem oberbayerischen Bayerisch Gmain (Lks. Berchtesgadener Land) zur Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten rief nicht nur Begeisterung hervor. Wie geht die 40-Jährige mit der Kritik um? Und gibt es schon konkrete Projekte? Das Wochenblatt hat nachgefragt.

Wochenblatt: Frau Ministerin, sind Sie schon gelandet im Amt?

Kaniber: Das Haus hat es mir leicht gemacht. Es ist ein toll aufgestelltes Ministerium mit sehr kompetenten Mitarbeitern. Ich fühle mich hier gut angenommen.

Wochenblatt: Es gab nach der Berufung harsche Kritik an Ihrer Person, vor allem wegen mangelnder fachlicher Eignung. Auch in der CSU-Fraktion hat es Verletzungen gegeben, weil sie an den Agrarpolitikern vorbeigezogen sind. Wie gehen Sie damit um?

Kaniber: Durch Kabinettsumbildungen gibt es häufig Verletzungen. Es war eine Entscheidung des Ministerpräsidenten. Er hat mir sein Vertrauen ausgesprochen und ich nehme die Aufgabe gerne an. Ich glaube, er hat bei meiner Besetzung auch auf die Region geschaut, aus der ich stamme.

Wochenblatt: Und was sagen Sie denen, die Ihnen mangelnde Fachkompetenz vorwerfen? Im Landtag saßen Sie im Sozial- und im Wissenschaftsausschuss.

Kaniber: Man darf nicht unterschätzen, wie vielfältig die Arbeit einer Abgeordneten ist. Mein Stimmkreis ist stark bäuerlich geprägt, von Almbauern, konventionellen wie auch Biobauern. Ich hätte 2013 einen Sitz im Agrarausschuss bekommen können...

Wochenblatt: ...den Sie aber nicht wollten, wie man hört.

Kaniber: Das hätte keinen Sinn gemacht. Unsere Region war dort bereits vorher schon mit meinem Kollegen Klaus Steiner vertreten.

Wochenblatt:: Sie treten in große Fußstapfen. Ihr Vorgänger Helmut Brunner ist parteiübergreifend hoch anerkannt. Das Bedauern über sein Ausscheiden ist groß. Was können Sie sich von ihm abschauen?

Kaniber: Helmut Brunner hat nicht nur politisch wunderbare Akzente gesetzt. Zum Beispiel hat er die Fronten zwischen „bio“ und „konventionell“ befriedet.

Wochenblatt: Da war manchen in Ihrer Partei das Tempo zu hoch...

Kaniber: Er hat das gut hinbekommen und schlicht und einfach auf die Megatrends Regio und Bio reagiert. Was bei ihm dazukommt, ist das Charakterliche, was ihn als Mensch ausmacht – vor allem das Zuhören – können und seine Verbindlichkeit.

Wochenblatt: Wo und wie wollen Sie eigene Akzente setzen?

Kaniber: Gestehen Sie mir dafür ein paar Wochen zu. Ich lege jetzt erst einmal Wert auf Gespräche mit Verbänden und Landwirten. Erst wenn ich weiß, was die Menschen brauchen und wollen, kann ich sagen, in welche Richtung ich marschiere.

Wochenblatt: Wo sehen Sie denn die größten Baustellen?

Kaniber: Dazu gehört sicher die Düngeverordnung, über die die Bauern klagen. Grundsätzlich treiben die Menschen die Themen Umweltschutz und Klimawandel um, da müssen wir uns unterhalten und die Sorgen ernst nehmen. Der Flächenverbrauch ist auch ein Megathema, gerade für die Landwirtschaft. Die Flächen werden immer weniger und die Pachtpreise steigen.

Wochenblatt: Die Grünen schlagen eine Obergrenze für den Flächenfraß vor.

Kaniber: Das kann nicht die Lösung sein. Wir müssen gemeinsam mit den Kommunen Konzepte erarbeiten. Immer mehr Menschen ziehen nach Bayern, vor allem nach Oberbayern. Die müssen ja auch irgendwo leben. Trotzdem müssen die Flächen soweit wie möglich geschützt werden.

Wochenblatt: Sie kommen aus einer Region mit vielen Almbauern. Das Thema „Wolf“ dürfte Ihnen nicht neu sein.

Kaniber: Die Almbauern erbringen mit der Beweidung der Flächen eine wichtige ökologische Leistung. Ich empfinde es als Hohn, wenn man davon spricht, die sollen halt einen Zaun bauen. Da muss man sich bei uns mal die Berge anschauen, da ist das fast unmöglich. Wenn die Wolfspopulation überhandnimmt oder es zu Angriffen kommen würde, müssen wir über wolfsfreie Zonen sprechen.

Wochenblatt: Welche Themen liegen Ihnen noch am Herzen?

Kaniber: Helmut Brunner hat mit den Ökomodellregionen viel angestoßen. Das möchte ich weiterführen. Es muss ein Umdenken der Verbraucher her. Schon Kinder müssen lernen, was es heißt, Premiumprodukte herzustellen und selbst zu kochen. Vielleicht müssen wir da noch mehr Akzente setzen.

Wochenblatt: Sie sprechen auch von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, die Sie unterstützen wollen. Was verstehen Sie darunter?

Kaniber: Ich möchte die ganze Vielfalt an Betrieben erhalten, die es in Bayern gibt. Bei mir gibt es Landwirte mit weniger als sieben Hektar, die haben vielleicht drei, vier Kühe im Stall. Es wäre schade, wenn wir die alle verlieren würden.

Wochenblatt: Normalerweise gibt es nach einem Amtsantritt 100 Tage Schonfrist. Ministerpräsident Söder gibt seinem Kabinett 100 Minuten. Nach der Wahl im Herbst könnte die CSU einen Koalitionspartner brauchen, dann könnte es schon wieder vorbei sein als Ministerin. Dämpft das Ihre Motivation?

Kaniber: Im Gegenteil. Es geht ja keiner aufs Spielfeld und sagt, oh, ich könnte verlieren. Jetzt gilt es, bestmögliche Arbeit zu machen. Ich werde mich mit aller Kraft für unsere Bauern und Waldbesitzer in Bayern einsetzen.

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