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Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020

Neue Ziele für die Agrarpolitik

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
04.08.2016

München - Angesichts des geplanten Ausscheidens Großbritanniens aus der EU wird es besonders spannend werden, welche Richtung die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 einschlägt.

Simon Michel-Berger

Ohne die Briten wird der EU nicht nur ein Nettozahler fehlen, sondern auch ein Land, das auch im Agrarbereich lieber zu wenig als zu viel geregelt sehen möchte. Tendenziell könnte Europa also auf eine kleinere, aber umtriebigere Agrarpolitik zusteuern.

Wie so etwas aussehen könnte, zeigt ein neuer Bericht aus einem elitären Forschungsinstitut der EU-Kommission, dem Zentrum für Politische Strategie. Der ehemalige Chef der Generaldirektion Umwelt, Karl Falkenberg, macht darin konkrete Vorschläge für die Zukunft: Weniger Direktzahlungen, weniger Spezialisierung bei den Betrieben, den Weltmarkt „nur nutzen, sich aber nicht von ihm abhängig machen“ – was auch immer das heißen mag. Stattdessen mehr konkrete Nachhaltigkeitskriterien, mehr Innovation und gerne auch mehr Personaleinsatz in der Landwirtschaft.

Gibt es irgendwann also „Schmetterlingsprämien“ in der Agrarpolitik? Oder einen Mägde/Knechte-Bonus? Oder Jungbauern-Förderung für die Anlage von Dachgärten in der Stadt?

In Stein gehauen ist von all dem noch nichts. Und über Möglichkeiten nachzudenken, wie Europa nachhaltiger werden kann, lohnt durchaus. Ich hätte gleich einen Vorschlag: Warum gibt es eigentlich immer noch keine Steuer auf Kerosin? Flugreisen sind ja schön, befördern aber eindeutig auch den Klimawandel.

Bevor man darüber nachdenkt, den Bauern, die gerade ohnehin eine große Reform der Agrarpolitik hinter sich haben, nochmal neue Regeln vorzuschreiben, sollte man doch bitte auch mal schauen, wo in anderen Bereichen noch Nachholbedarf bei Nachhaltigkeit besteht. Es sind nämlich überraschend viele.

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