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Wasserqualität

Nitrat: Das Umweltbundesamt trommelt weiter

Trinkwasser
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
20.09.2017

Berlin - "Stickstoff – die unterschätzte Umweltgefahr", warnt das Umweltbundesamt und bietet dazu ein Workshop für Journalisten an.

Ulrich Graf

Die Düngeverordnung ist beschlossen. Die neuen Vorgaben werden jetzt erstmalig umgesetzt. Bis sie Wirkung zeigen, wird etwas dauern. Denn was auf der Ackerkrume passiert, wird teilweise erst über Jahre im Grundwasser ankommen. Damit wäre es jetzt eigentlich an der Zeit, dass etwas Ruhe einkehrt und dass man die Wirksamkeit der getroffenen Beschlüsse beobachtet. Doch weit gefehlt.

Das Thema Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft bleibt auf der politischen Tagesordnung. Dafür sorgt unter anderem das Umweltbundesamt (UBA). Laut UBA ist das Grundwasser in Europa fast nirgendwo so stark mit Nitrat belastet wie in Deutschland. Trotz Fortschritten auf einzelnen Feldern sei es bislang nicht gelungen, die in der Summe erforderliche Stickstoff-Reduktion zu erreichen. Deshalb dränge die Zeit zu handeln, so das UBA. Die gerade beschlossenen Maßnahmen lässt die Behörde dabei außen vor.

Um seine Meinung noch stärker unter die Leute zu bringen, sucht das Amt nun nach Multiplikatoren. Mit dem Workshop „Stickstoff – die unterschätzte Umweltgefahr“ lädt es jetzt Journalistinnen und Journalisten ein, sich über die Stickstoffproblematik zu informieren, was noch ganz objektiv klingt. Der Blickwinkel verengt sich dann aber doch etwas, wenn man zwei Zusätze in der Einladung betrachtet.

Erstens: Der Schuldige steht bereits vorab fest, denn das Ganze findet "im Kontext Landwirtschaft" statt, wie das Amt schreibt.

Und zweitens: Die Behörde gibt auch gleich vor, wozu sie den Workshop anberaumt hat, nämlich "Anregungen für die Berichterstattung" zu liefern. Im Klartext heißt das doch, sie will den Journalisten direkt in die Feder diktieren, was sie zu schreiben haben. Bleibt die Frage: Werden die Blaupausen für die Artikel gleich mitgeliefert?

Normalerweise kommt das bei den Kollegen von Zeitungen und Zeitschriften nicht unbedingt gut an, wenn hier "Formulierungshilfen" oder Themenvorgaben erfolgen, denn schließlich hat man einen eigenen Kopf zum Denken. Aber man weiß ja nie, inwieweit hier der Zeitgeist mit hineinspielt und der läuft nun nicht gerade pro Landwirtschaft.

Um nicht missverstanden zu werden: Nitrat im Trinkwasser ist zweifellos ein kritisches Thema. Drei Minuten ohne Luft, drei Tage ohne Trinken oder drei Wochen ohne Essen sind lebensbedrohlich, lautet eine Faustformel. Sie gibt eine gewisse Reihung in der Bedeutung der Lebensmittel wieder. Alle drei Lebensmittel braucht der Mensch. Nahrung auf Kosten des Trinkwassers zu produzieren, wäre also fatal. Das will aber sicher auch keiner.

Was aber stört ist, dass eine Behörde unter dem Deckmantel der Objektivität sich einseitig gegen eine Berufsgruppe positioniert und ihre Sichtweise zur öffentlichen Meinung machen will.

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