Login
Zum Thema

Nur einer von vielen Schritten

Wolf Rudel
Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
14.03.2019

Ein Kommentar vom stellvertretenden Chefredakteur Simon Michel-Berger zum Aktionsplan Wolf.

Derzeit gibt es in Deutschland keine eindeutige Regel, wann ein Wolf, der Nutztiere reißt, getötet werden darf. Das ist ein großes Problem, denn es bedeutet, dass die Nutztierhalter sich mit ihrem Wunsch nach Schutz alleine gelassen fühlen. Schon den Nachweis zu erbringen, ob der Riss durch einen Wolf oder etwa einen Hund erfolgte, ist äußerst schwierig. Es gibt Fälle, wo das Landesamt für Umwelt (LfU) sich zum Beispiel weigerte, einen Riss zu untersuchen, weil der Kehlbiss fehlte und das Tier „nur“ von hinten angefressen war. Auch der Bund hilft hier nicht, weil das Bundesnaturschutzgesetz diesbezüglich reichlich vage ist – und noch dazu einige Möglichkeiten, welche die europäische FFH-Richtlinie vorsieht, nicht bietet.

In diese unklare Gemengelage bringt der bayerische Aktionsplan ein klein wenig Klarheit. Gut ist immerhin die Klarstellung, dass künftig ein Wolf geschossen werden soll, sobald er einmal einen Herdenschutzzaun überwunden hat. Kritisch ist aber, dass immer noch der Nachweis erbracht werden muss, dass genau Wolf X der Übertäter war, nicht etwa Wolf Y oder Hund Z. In der Praxis und angesichts des Flaschenhalses LfU, das sich mit seinen Untersuchungen oft viel Zeit lässt, dürfte das sehr lange dauern. Bei diesem Punkt ist ein anderer Freistaat, Sachsen, weiter als Bayern. Der Entwurf der dortigen Wolfsmanagementverordnung vom Dezember sieht vor, dass im Falle von Nutztierrissen oder überwundenem Herdenschutz die sich nicht auf ein Einzeltier sondern nur ein Rudel zurückführen lassen, so lange Tiere daraus entnommen werden dürfen, bis kein wirtschaftlicher Schaden mehr angerichtet wird. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem Wolfsmanagement, das sich nicht auf Einzeltiere konzentriert, sondern den Be- stand in den Blick nimmt. Zu so einem Management müssen wir kommen. Auf dem Weg dahin ist der neue Aktionsplan nur ein kleiner Schritt.

Auch interessant