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Milchmarkt

Obergrenze für Magermilchpulver

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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von , am
12.10.2017

München - Obergrenzen sind ja momentan überall in der Politik hoch im Kurs. Auch die Milchpolitik ist hier keine Ausnahme.

Simon Michel-Berger
Ein Kommentar von Simon Michel-Berger, Stellvertretender Chefredakteur, Simon.Michelberger@dlv.de © Archiv/BLW

Erst Anfang der Woche hat EU-Agrarkommissar Phil Hogan klar gemacht, dass die Interventionsbestände für Milchpulver – die nach wie vor weiter wachsen – jetzt endlich abgebaut werden müssen. Sein Vorschlag: Ab März 2018 nichts mehr fest sondern nur noch nach vorheriger Ausschreibung in die Intervention zu kaufen.

Das ist eine interessante Idee. Die 80er Jahre, als wir mit rund 1,2 Mrd. t noch rund dreimal so viel Magermilchpulver in der Lagerhaltung hatten wie heute, will keiner zurück. Das Bild von staatlich subventionierten Lebensmittelbergen verbinden viele Verbraucher heute noch mit Agrarpolitik.

Auch hat die Krise der jüngsten Vergangenheit gezeigt, wie hilflos die Intervention sein kann. Pulver einzulagern hilft schließlich nur, wenn man auch darauf hoffen kann, dass der Preis in absehbarer Zeit wieder steigt. Die Butterpreise sind zwar nicht schlecht, aber das dürfte auch die eine oder andere Molkerei dazu bewogen haben, ihr „teures“ Milchfett als Käse oder Butter zu verkaufen und sich auf die staatliche Garantie zu verlassen, dass ihr die EU die „billigen“ Kohlenhydrate und Proteine als Magermilchpulver abnimmt.

Eine völlige Abschaffung der Intervention wäre hingegen eine vertane Chance. Sie ist nach den jüngsten Reformen der EU-Agrarpolitik nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Aber auch ein bisschen Schatten kann an einem heißen Tag willkommen sein. Darüber zu reden, ob man die Intervention so umbauen kann, dass sie in Krisenzeit doch eine Hilfe ist, wäre wichtig. Denn eines muss klar sein: Wenn sie einmal weg ist, kommt sie so schnell nicht wieder. Und allzu viele europaweit mehrheitsfähige Maßnahmen zur Marktstützung haben wir nicht mehr.

Mit Material von Ein Kommentar von Simon Michel-Berger, Stellvertretender Chefredakteur, Simon.Michelberger@dlv.de
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