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Welternährung

Ohne Pflanzenschutz geht es nicht

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
29.04.2019

Eine belgische Studie im Auftrag des EU-Parlaments erinnert daran, dass die Ernährung der Menschheit ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht möglich ist. Auch der Ökolandbau sei hier keine Alternative.

Ohne Pflanzenschutzmittel dürfte die weltweite Ernährungssicherung für voraussichtlich rund elf Milliarden Menschen im Jahr 2100 gefährdet sein. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die Wissenschaftler der Abteilung Biotechnologie an der Universität Löwen im Auftrag des Forschungsdienstes des Europäischen Parlaments (EPRS) angefertigt haben. Demnach ist bei einem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel mit Ernteeinbußen zu rechnen, die beispielsweise beim Weizen auf 19 % und bei Kartoffeln auf 42 % beziffert werden.
Derweil halten die Autoren der Studie den ökologischen Landbau zur Steigerung der Biodiversität nur eingeschränkt als Alternative geeignet. Auf globaler Ebene sei sogar mit einem Rückgang an Biodiversität zu rechnen, weil der Biolandbau ungefähr 25 % weniger produktiv sei als die konventionelle Landwirtschaft. Um elf Milliarden Menschen zu ernähren, müsste nämlich zum Ausgleich mehr Land bewirtschaftet werden, und das gehe zu Lasten der Biodiversität. Darüber hinaus sei die Wahrnehmung, dass die im Ökolandbau eingesetzten Pflanzenschutzmittel weniger giftig seien und zu weniger Rückständen führten, nicht immer zutreffend; hierfür fehlten mitunter noch wissenschaftliche Belege.
Allerdings betonen die Löwener Wissenschaftler, dass der Pflanzenschutz nicht allein den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln umfasse, sondern auch Maßnahmen wie den Fruchtfolgewechsel, die Verwendung von resistenten Sorten und die Bodenpflege. Zudem seien weitere Fortschritte bei der Verringerung der Wirkung von Pflanzenschutzmitteln auf Mensch und Umwelt möglich. So ließen sich die Ausbringungsmengen zum Beispiel durch komplexe Warn- und Entscheidungshilfesysteme verringern. Darüber hinaus könne das Precision Farming einschließlich der Fernerkundung mit unbemannten Flugsystemen zu zielgerichteteren Anwendungen und damit ebenfalls zu einer Verringerung der Ausbringungsmengen führen.
Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Einführung neuer aktiver Substanzen für Pflanzenschutzmittel seit den 1990er-Jahren rückläufig sei. Während zwischen 1990 und 2000 noch über 120 neue Wirkstoffe zugelassen wurden, waren es in den 2000er-Jahren nur noch gut 100 und in den 2010er-Jahren bislang nur knapp 40. Die geringere Verfügbarkeit neuer Wirkstoffe könne zu vermehrter Resistenzbildung führen. Verantwortlich für die stark gesunkene Zahl an Neuentwicklungen seien gestiegene Kosten für Zulassung sowie für Forschung und Entwicklung. Um das Jahr 2000 habe ein Unternehmen dafür noch durchschnittlich 184 Mio. US-$ aufwenden müssen. Bereits in den Jahren 2010 bis 2014 seien es rund 286 Mio. US-$ gewesen.
Unter dem Kostendruck bei konventionellen Pflanzenschutzmaßnahmen wichen viele Unternehmen auf sogenannte „Biopestizide“ aus. Der Markt für Substanzen wie lebende Mikroorganismen oder Schwefellauge wachse seit den 1990er-Jahren deutlich. AgE/SMB

Die Studie ist – in englischer Sprache – über folgende Internet-Seite abrufbar: epthinktank.eu/2019/03/05/farming-without-plant-protection-products/

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