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Pendeln zwischen den Welten

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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von , am
12.10.2017

München - Aus der Not eine Tugend machen, dieser Spruch ist für die Bauern beinahe schon abgedroschen, denn sie müssen ihn fast schon täglich anwenden.

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer, Chefredakteur © BLW/Archiv

Das gilt besonders für das Umfeld, in dem die Bauern arbeiten müssen, nämlich in der Natur. Das Wetter war die letzten Wochen nicht gerade geeignet, um die anstehenden Ernte- und Bestellarbeiten sauber planen und plangemäß umsetzen zu können. Wer beispielsweise seine Kartoffeln nass aus dem Boden holen musste, der sollte jetzt darauf achten, dass sie im Lager ausreichend getrocknet werden. Wenigstens hat sich jetzt für ein paar Tage der Goldene Oktober mal blicken lassen, um die Rückstände wieder aufzuholen. Hoffentlich hält das noch ein wenig an.

Aus der Not eine Tugend machen, das ist für die Bauern fast tägliche Herausforderung unter den Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten müssen. So wird es nicht einfach werden, mit dem Bürokratiemonster Düngeverordnung zurecht zu kommen und die rechtlichen Vorgaben mit den pflanzenbaulichen Erfordernissen unter einen Hut zu bringen. Einen interessanten Weg haben da Rinderhalter in Südtirol eingeschlagen. Die Bergbauernbetriebe haben gemeinsam eine Biogasanlage gebaut. Sie bringen ihre Gülle und ihren Mist dorthin und holen den Gärrest wieder ab. So weit ist das nichts Besonderes. Allerdings nehmen die Rinderhalter nur die Hälfte des Substrates wieder zurück, die andere Hälfte wird zu Pellets verarbeitet und an die Obst- und Weinerzeuger verkauft, die damit auf Mineraldünger verzichten oder ihn zumindest deutlich begrenzen können. Der nächste Schritt ist nun, die Pellets so einzustellen, dass sie definierte Nährstoffgehalte aufweisen. Damit wird aus Mist und Gülle ein Produkt, das dem Mineraldünger Konkurrenz machen kann.

Aus der Not eine Tugend machen, nein zum nächsten Punkt passt dieser Spruch nicht, obwohl auch hier zwei unterschiedliche Welten aufeinandertreffen. Die eine Welt ist die Digitalisierung, die den Betrieben zum Beispiel in der Landtechnik als Heilsbringer angepriesen wird, die sie aber mit einer gesunden Zurückhaltung betrachten und auswerten. Die andere Welt sind die Oldtimer, die lange Jahre auf dem Betrieb ihren Dienst getan haben und zum Teil auch jetzt noch tun. Wo ein Eicher-, Schlüter- oder markenübergreifendes Oldtimertreffen angesagt ist, da ist die Bude voll.

Mit Material von Sepp Kellerer, Chefredakteur
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