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Rückstände nicht erwünscht

Pflanzenschutz ist Dauerbaustelle

Labor-Untersuchung-Pipette
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
09.11.2017

Bei aller medialen Aufmerksamkeit, die Glyphosat derzeit bekommt, ist die Debatte nur ein kleiner Mosaikstein in einer viel größeren Entwicklung.

Simon Michel-Berger

Diese lässt sich, vereinfacht gesagt, auf folgenden Punkt bringen: Die Verbraucher wollen gar keine Pflanzenschutzrückstände in ihrer Nahrung.

Auch das Argument mit den gesetzlichen Grenzwerten, die meist klar eingehalten werden, hilft da wenig. Denn wer an Grenzwerte glaubt, muss an wissenschaftliche Bewertungen glauben. Aber wer Angst hat, dem sind wissenschaftliche Argumente nicht so wichtig. Das Bauchgefühl ist stärker als die Vernunft.

Die Nichtregierungsorganisationen, die Panikmache als Geschäftsmodell haben, sind für die Bauern dabei sogar noch das kleinere Problem. Viel wichtiger ist, was die Lebensmittelhersteller und vor allem die Supermärkte machen. Geld verdienen letztere nämlich vor allem mit Eigenmarken. Was liegt näher, als dem Kunden sagen zu können, dass die eigene Eigenmarke weniger mit Rückständen belastet ist als die der Konkurrenz? Die Zeiten, wo Umweltorganisationen noch Supermärkte vorführen und sagen konnten, bei X ist das Produkt mehr belastet als bei Y, sind vorbei. Längst untersucht der Handel seine Produkte selber – mindestens genauso gut wie Greenpeace und Co das können. Der Druck zu rückstandsfreien Produkten landet auch bei den Bauern. Wenn sie Glück haben, mit einer Beteiligung am Mehrerlös. Wenn sie Pech haben als Lieferbedingung.

Und die europäische Politik? Weiß, dass das ein Thema ist, schafft es aber nicht, die Bauern so zu unterstützen, dass sie ihren Pflanzenschutzeinsatz noch effizienter gestalten. Die Großbetriebe mit tausenden Hektar können hier voranmarschieren. Doch was ist mit den vielen kleinen Betrieben, die sich nicht jede neue, teure Technologie leisten können?

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