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Absatz

Preis allein ist überbewertet

Fleckviehkuh
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
02.03.2018

Helfen wird es den Milcherzeugern, wenn ihre Molkereien eine bessere Verwertung und bessere Absatzwege erschließen

Simon Michel-Berger

Lieferanten einer großen bayerischen Molkerei haben unlängst Milchgeldabrechnungen bekommen, wonach ihr Auszahlungspreis um vier Cent sinkt. Das ist bitter. Aber wenn man sich die Marktentwicklung vor allem im letzten Quartal 2017 anschaut, darf es niemand überraschen. Die Kuhschlachtungen sind 2017 gegenüber 2016 deutlich gesunken, die Milchanlieferungen im letzten Halbjahr deutlich, in den EU-Ländern aber sehr unterschiedlich, gestiegen.

Ein Problem heutzutage ist vielleicht der Fokus allein auf den Milchpreis. Natürlich lässt sich daran viel festmachen. Aber wer wartet, bis der Milchpreis einen Markt beschreibt, der erfährt erst, wie es ihm geht, wenn er schon im Starkregen steht. Dass die Politik in der nächsten Krise wieder einen Schirm aufspannt, ist unwahrscheinlich.

Lassen wir mal Brexit und EU-Sparzwänge außer Acht: Durch die jüngsten Krisenpakete der EU stieg der Milchpreis in Estland innerhalb weniger Monate von 20 auf fast 35 Cent. Ist es ein akzeptabler Nebeneffekt, wenn an der Rettung von deutschen oder österreichischen Milcherzeugern mit Steuergeldern sich Erzeuger im Baltikum und anderswo eine goldene Nase verdienen?

Die Lage auf dem Binnenmarkt in Europa ist heute so unterschiedlich wie nie zuvor. Ein einzelnes Kriseninstrument kann nicht alle Probleme lösen, ohne dass es nicht auch Profiteure schafft. Wo aber ist die Gerechtigkeit, wenn die, die eine Krise durch ihre Überlieferungen mit verursacht haben, noch belohnt werden?

Helfen wird es den Milcherzeugern, wenn ihre Molkereien eine bessere Verwertung und bessere Absatzwege erschließen. Bei den Molkereien sollte Wertschöpfung vor Rohstoff stehen. Bei den Absatzwegen kann und muss die Politik helfen. Diese Art von Hilfe ist mindestens so wertvoll wie ein Rettungsring in der Krise.

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