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Kompromiss

Rede von Jean-Claude Juncker - Zeit, die sich gelohnt hätte

Jean Claude Juncker
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
13.09.2018

Denn obwohl er Landwirtschafts- oder Umweltpolitik so gut wie gar nicht erwähnt hat – den Klimaschutz einmal ausgenommen – hatte er eine wichtige Geschichte zu erzählen.

Simon Michel-Berger

Neben vielen Dingen, die erwartbar waren, seien es Handels-, Außen oder Migrationspolitik, sprach Juncker an einer Stelle auch kurz über das Thema Kompromissfähigkeit.

Einen Kompromiss einzugehen, so der Luxemburger, heiße nicht, einer Debatte aus dem Weg zu gehen, seine Überzeugung zu opfern oder Schwäche zu zeigen. In diesem kleinen Punkt, der wahrscheinlich in der meisten Berichterstattung kaum Berücksichtigung findet, liegt meiner Meinung nach das Wesen jeder guten Politik und jeden menschlichen Zusammenlebens.

In unserer Gesellschaft wird gerne und schnell mit dem Finger auf andere gezeigt. Vom bösen Bauern, der das Grundwasser vergiftet bis zum bösen Politiker, der nur an sein eigenes Wohl denkt. Das ist bequem, es bringt aber keinen von uns weiter.

Wir müssen jeden Tag aufs Neue lernen, Anderen zuzuhören und dann darüber nachdenken, was uns wirklich gesagt wird. Hinter der Angst vor hohen Nitratwerten im Grundwasser steckt ja meistens keine Wut auf die Bauern, sondern eine gefühlte Bedrohung der eigenen Existenz. Den großen Rahmen zur Lösung dieses Problems gibt die Politik vor, aber die alltäglichen Herausforderungen können nur die Menschen vor Ort miteinander bewältigen. Ohne Kompromisse geht es dabei niemals.

Es wäre schön gewesen, wenn die Leute Juncker hier zugehört hätten. Ich selber habe die Rede als Live-Übertragung im Facebook-Kanal der EU-Kommission in Deutschland verfolgt. Von knapp 100.000 „Freunden“ der Behörde im sozialen Netzwerk haben sich nur rund 50 andere Personen Zeit dafür genommen.

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