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Gemeinsame Agrarpolitik

Reform der Agrarpolitik - nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Fußball Weltmeisterschaft
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
14.06.2018

Ein wenig ist die Debatte um eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wie die Fußball-WM, die am Donnerstag begonnen hat.

Simon Michel-Berger

Zahlreiche, teils sehr unterschiedliche Ansichten (Mannschaften) kämpfen um einen Sieg und wenn alle Seiten dabei tüchtig mauern und auf ihren jeweiligen Standpunkten beharren, wird es eine zähe Angelegenheit. Anders ist freilich, dass es in dem Turnier einen klaren Sieger gibt, in der Politik hingegen fast nie. Anstelle einer GAP, die nur für Nahrungssicherheit, nur für mehr Artenvielfalt oder nur für weniger Strukturwandel bei den Bauern sorgt, sollen alle Ziele erreicht werden, am besten mit immer weniger Geld.

Da sind wir schon beim Kern des Problems, denn wie neue Studien unter anderem zeigen, wäre es nicht schwer, eine GAP zu gestalten, die zum Beispiel für eine massive Extensivierung sorgt. Dabei würde aber die Wettbewerbsfähigkeit der meisten Betriebe verloren gehen, die Abhängigkeit von Subventionen wäre noch höher und es würde auch insgesamt wesentlich mehr Geld gebraucht werden als heute. Je mehr Wünsche die Agrarpolitik erfüllen soll, desto weniger schafft sie es, wenn die Mittel knapper werden. Allerdings sind, auch das ein Ergebnis der Studien, die Wünsche der breiten Bevölkerung an die GAP noch weniger einheitlich als die der Landwirte, die ohnehin schon stark auseinandergehen.

Für die GAP-Reform heißt das, dass wir uns auf Veränderungen zubewegen, die an verschiedenen Stellschrauben drehen und bei denen sich einige Bezeichnungen ändern werden, bei denen sich aber im Kern – beim Geld – nicht allzu viel ändern wird. Damit wären wir dann wieder bei der WM: Gewinnen wird wohl einer der üblichen Verdächtigen, taktisch sind sich die Top-Teams alle ähnlich und in ein paar Jahren geht alles wieder von vorne los.

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