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Regierung

Regierungsarbeit - heiter bis wolkig

Hochwald
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
08.11.2018

Jetzt liegt schriftlich vor, was die neue Regierung alles plant für die kommenden fünf Jahre.

Simon Michel-Berger

Gefreut haben sich Vertreter von Naturschutzverbänden besonders über ein Detail: Zehn Prozent der staatlichen Waldflächen sollen für den Naturschutz von der forstwirtschaftlichen Nutzung ausgenommen werden. Das klingt gut! Wer nun fragt, wieviel Staatswald sich derzeit natürlich entwickeln darf, wird bei den Bayerischen Staatsforsten fündig: Es sind sagenhafte 10,4 Prozent, also mehr als im Koalitionsvertrag als Ziel festgeschrieben ist.

Das sorgte diese Woche im Landtag für Heiterkeit und Schmunzeln. Einer der Koalitionäre hatte auch gleich eine schlüssige Erklärung: Stabilität sei das Credo der neuen Staatsregierung – und das habe man an dieser Stelle eben vorbildlich festgeschrieben.

Im Ernst: Wie an vielen anderen Stellen im Koalitionsvertrag muss man genau hinschauen. Ein Teil der von den Staatsforsten ausgewiesenen Naturflächen liegt im Hochgebirge, da findet kein Hieb statt. Wer also möchte, kann herauslesen, dass noch Luft nach oben ist beim Naturschutz im Wald. So stellt sich das wohl auch der bisherige Umweltminister Marcel Huber vor, der das Öko-Kapitel im Vertrag maßgeblich geprägt haben soll.

Mit Spannung darf erwartet werden, wie der neue Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern seine Aufgabe angeht. Das gilt für nahezu alle Ressorts: Die im Vertrag genannten Ziele sind oft wolkig, genauso wie die Wege dorthin, wenn sie überhaupt beschrieben sind.

Zu tun hat die neue Regierung genug. Und gerade wegen des vage formulierten Vertragswerks dürften die neuen Ministerinnen und Minister genau beobachtet werden – nicht nur von außen, sondern auch untereinander. Wie sich das auf die Stimmung und die Zusammenarbeit in der Koalition auswirkt, steht über den Wolken – in den Sternen.

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