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Lieber Leser

Mit dem richtigen Maß zum Ziel

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
14.06.2017

München - Was soll ich mich aufregen, nächste Woche wird wieder eine andere Sau durchs Dorf getrieben.

Sepp Kellerer

Diesen Satz hört man häufig, wenn jemand in die Schlagzeilen der Medien geraten ist und wenn diese Schlagzeilen – wie meist der Fall – negativ sind. Auch in bäuerlichen Kreisen ist dieser Satz immer wieder zu hören. Und er mag auch da für das einzelne Thema durchaus zutreffen.

Haarig, nervtötend, unerträglich wird es aber dann, wenn jede Woche auf der Sau, die durchs Dorf getrieben wird, die Landwirtschaft sitzt.

Diese Woche sorgte eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) für Aufsehen. Das Trinkwasser muss künftig aufbereitet werden, es wird damit teurer und die Bauern sind dran schuld. So lässt sich das Medienecho zu der UBA-Studie knapp zusammenfassen. Dass diese (Kurz-)Schlussfolgerung gewollt war, das wollen wir der Behörde nicht unterstellen, dass sie ihr in den Kram passt, und dass sie von der kompletten Umweltbranche geschürt wird, das ist Fakt.

Und wie sieht es sonst mit den Fakten aus? Das UBA hat in vier Modellregionen in Bezug auf den Nitratgehalt im Trinkwasser vier verschiedene Szenarien gerechnet. Ergebnis: Im schlimmsten Falle wird es notwendig, das Trinkwasser aufwendig zu reinigen, was für den Verbraucher eine deutliche Kostensteigerung bedeuten würde.

Der schlimmste Fall ist, dass die Maßnahmen, die jetzt in der Düngeverordnung vorgeschrieben werden, absolut nicht greifen. Das darf man durchaus als eine Warnung verstehen. In 27 Prozent der Grundwasserkörper sind die Nitratwerte laut UBA zu hoch, dort müssen sie wieder runter. Und in den übrigen 73 Prozent der Grundwasserkörper sind die Nitratwerte in Ordnung, dort dürfen sie nicht weiter steigen. Da müssen die Bäuerinnen und Bauern, da muss jeder einzelne Betrieb alles daransetzen, dass dies gelingt. Noch einmal: Rahmenbedingung dafür ist die neue Düngeverordnung und die ist noch nicht in der Umsetzung. Jetzt schon nach weiteren Verschärfungen zu rufen, das ist unlauter.

Die Landwirtschaft muss jetzt die Chance kriegen, die Dinge selber in die Hand zu nehmen, sprich die neuen Rahmenbedingungen umzusetzen. Sie darf auch erwarten, dass Vorschriften, die das Ziel eher behindern als fördern auch wieder geändert werden. Sauberes Wasser und die Messbarkeit von Fortschritten müssen vor der Kontrollierbarkeit von Vorschriften stehen.

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