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Grüne Woche

Rukwied: „Deutschland droht Abstieg"

Rukwied Joachim Grüne Woche
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
19.01.2018

Wegen den zunehmenden Angstkampagnen gegen wissenschaftliche Beurteilungen drohe Deutschland ein Abstieg von der Champions League in die Kreisklasse C.

Die Landwirte seien bereit, jeglichem Verbraucherwunsch zu folgen, so Joachim Rukwied auf der Eröffnung der Internationalen Grünen Woche 2018 in Berlin. „Aber mit einer Situation, in der der Verbraucher in Umfragen eine Forderung erhebt und anschließend etwas völlig anderes kauft, können wir alle nicht vernünftig umgehen“, konstatierte Rukwied.

„Vor allem brauchen wir eines: ein anderes Diskussionsklima", fordert der Bauernverbandspräsident. Die buchstäblich vergiftete Diskussion um Glyphosat habe einen neuen Negativrekord gesetzt. "Es geht uns nicht um diesen Wirkstoff, sondern vielmehr um die Mechanismen, mit denen einige Kampagnen gearbeitet haben. Es geht auch um bewusst falsch wiedergegebene Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien, um Plagiatsvorwürfe, die bei näherem Hinsehen haltlos sind“, resümierte Rukwied. „Auf anderen Feldern haben Politik und Gesellschaft den Anspruch, innovativ und wissensbasiert zu arbeiten, Deutschland fit für die Digitalisierung und die Herausforderungen der Wissensgesellschaft zu machen – für die Landwirtschaft tolerieren wir dagegen plumpe antiwissenschaftliche Ressentiments. Auf diese Weise lässt sich keine zukunftsfähige Politik gestalten.“

Wenn in diesen Tagen von einem „neuen Gesellschaftsvertrag“ gesprochen werde, würden die Bauernfamilien dies gern beim Wort nehmen. Glaubwürdig sei diese Idee aber nur, wenn ein ehrlicher Umgang und eine andere Diskussionskultur gewährleistet werde. Ein „Gesellschaftsvertrag“, der die Landwirtschaft nur als Gegenpol zur Umweltpolitik darstelle, als ideologische Projektionsfläche sehe oder nur als Steinbruch für die Finanzierung anderer Aufgaben wahrnehme, sei eine Mogelpackung, betonte Rukwied.

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