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Bundeslandwirtschaftsministerium

Schmidt stellt Zukunftsstrategie ökologischer Landbau vor

Christian Schmidt
pd
am
18.02.2017

Nürnberg - Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat am 15. Februar 2017 die "Zukunftsstrategie ökologischer Landbau" (ZöL) auf der Biofach in Nürnberg vorgestellt. Der Inhalt: Fünf Handlungsfelder und 24 Maßnahmenkonzepte, um der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft neue Wachstumsimpulse zu geben.

"Mit unserer Zukunftsstrategie wollen wir die Umstellung landwirtschaftlicher Betriebe auf den ökologischen Landbau in Deutschland erleichtern und das Ziel, 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland ökologisch zu bewirtschaften, schneller erreichen. Unsere Bäuerinnen und Bauern sollen die Chancen nutzen können, die der wachsende Absatzmarkt vor ihrer Haustür bietet. Der Trend zu Bio-Lebensmitteln hält an: 2016 stieg der Umsatz erneut fast zweistellig auf 9,48 Milliarden Euro. Der ökologische Landbau ist neben dem konventionellen Landbau mittlerweile eine wichtige Säule der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft und er liefert einen wichtigen Beitrag, um die ressourcenpolitischen Herausforderungen der Landwirtschaft zu meistern. Deshalb wollen wir das zentrale Förderprogramm für den ökologischen Landbau, das Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN), stärker finanziell fördern. Die Mittel für den BÖLN sollen um 50 Prozent – auf 30 Millionen Euro pro Jahr erhöht werden. Der Anbau und die Verarbeitung von Eiweißpflanzen, wie Soja, Lupinen, Erbsen oder Klee, soll weiterhin mit 6 Millionen Euro jährlich unterstützt werden", so umriss Landwirtschaftsminister Christian Schmidt die Ziel seiner Politik.

Zentrale Inhalte der Zukunftsstrategie

Im Mittelpunkt der Zukunftsstrategie stehen fünf Handlungsfelder. Sie sind nationale Schlüsselbereiche für ein stärkeres Wachstum des Öko-Landbaus. Zugleich adressieren sie wichtige Herausforderungen der Öko-Branche:

  • den Rechtsrahmen zukunftsfähig und kohärent gestalten,
  • die Zugänge zur ökologischen Landwirtschaft erleichtern,
  • das Nachfragepotenzial voll ausnutzen und weiter ausbauen,
  • die Leistungsfähigkeit ökologischer Agrarsysteme verbessern sowie
  • die Umweltleistungen angemessen honorieren.

Steigende Nachfrage nach Bio

  • Deutsche Bio-Markt wuchs 2016 um 9,9 % auf 9,48 Mrd. € und ist zweitgrößte Bio-Markt der Welt.
  • Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) wuchsen Bio-Umsätze mit 14,6 % auf 5,45 Mrd. €. Der LEH erreicht Anteil am Bio-Markt von 58 %.
  • Der Lebensmittelumsatz im Naturkosthandel wuchs um 5 % auf 2,85 Mrd. €.
  • In sonstigen Geschäften (Bäckereien, Hofläden, Wochenmärkte etc.) wurden Bio-Produkte im Wert von 1,18 Mrd. € (+ 2,2 %) gekauft.
  • Der Bio-Anteil der privaten Nachfrage nach Lebensmitteln liegt 2016 bei rund 5 %.

Das staatliche Bio-Siegel betrachtet das Ministerium als einen Erfolg: Rund 5.000 Unternehmen hätten die Kennzeichnung von rund 76.000 Produkten angemeldet.

30.000 bis 40.000 Landwirte müssten zusätzlich umstellen

Insgesamt wirtschaften derzeit 24.736 Bio-Betriebe auf rund 1,08 Mio. ha Fläche ökologisch. Das sind 8,7 % der landw. Unternehmen und 6,5 % der gesamten landw. Nutzflache. Rund 600.000 Hektar werden im Ökolandbau als Grünland genutzt, die ökologische Ackerfläche umfasst 445.000 Hektar. Restliche Fläche sind Obst- und Gemüsekulturen sowie Streuobstflachen. Seit zehn Jahren gibt es einen jährlicher Zuwachs der ökologisch bewirtschafteten Fläche um rund 3% in Deutschland. 30.000 bis 40.000 Landwirte müssten zusätzlich auf ökologische Bewirtschaftung umstellen, um das 20 %- Ökoflächen-Ziel zu erreichen. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche müsste sich verdreifachen.

Zu ergreifende Maßnahmen

Nach Einschätzung des Bundesministerium können 24 zugeordnete Maßnahmenkonzepte der Öko-Branche zusätzliche Wachstumsimpulse entlang der gesamten Wertschöpfungskette geben. Dazu gehören:

  • Europäischen Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau weiterzuentwickeln,
  • Landwirtschaftlicher Betriebe, die sich für eine Umstellung auf ökologischen Landbau entscheiden, intensiv fachlich zu begleiten und zu beraten,
  • Kantinen zu unterstützen, ihren Gästen zukünftig mehr Bioprodukte anzubieten,
  • Rechtliche und finanzielle Förderinstrumente, Forschungsförderung, Technologie- und Wissenstransfer sowie konzeptionelle Aufgaben des Bundes

Umsetzung und Finanzierung

Zentrale Finanzierungsinstrumente, um die Zukunftsstrategie umzusetzen, sind weiterhin das "Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft" (BÖLN) sowie die Eiweißpflanzenstrategie (EPS). Das BMEL setzt sich dafür ein, die Mittel des BÖLN zukünftig auf 30 Millionen Euro pro Jahr zu erhöhen und die Mittel für die EPS in den kommenden Jahren auf dem derzeitigen Niveau von 6 Millionen Euro pro Jahr weiter fortzuführen.

DBV begrüßt die Zukunftsstrategie Ökolandbau

Der Öko-Beauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Dr. Heinrich Graf von Bassewitz, begrüßte die Zukunftsstrategie ökologischer Landbau des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Bassewitz äußerte seine Anerkennung für das Gesamtkonzept auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorstandsvorsitzenden des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Prinz zu Löwenstein, in Gegenwart von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

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