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Freihandel

Schüsse, die um die Welt hallen

Donald Trump
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
15.03.2018

Mit Schutzzöllen die Prinzipien eines freien und fairen Handels verteidigen, geht das?

Simon Michel-Berger

Wenn ein US-Präsident sagt: „Wir können nicht zulassen, dass [diese Branche] durch unfaire Handelspraktiken in Gefahr gebracht wird. [Mit unseren Schutzzöllen] verteidigen wir die Prinzipien eines freien und fairen Handels“, dann hört die Welt zu. Ganz neu sind solche Ankündigungen jedoch nicht. Auch der gerade zitierte Ausspruch stammt nicht von Donald Trump, sondern vom ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, der damit in den 80er-Jahren eine Reihe von Schutzzöllen gegen japanische Einfuhren unter anderem von Halbleiterchips begründete.

Auch Trump hat nach seiner Verhängung von Schutzzöllen am vergangenen Donnerstag bereits am Montag wieder eingelenkt und Gespräche mit der EU angekündigt. Reagans Taktik gegenüber Japan war damals nicht unähnlich. Am Ende gelang es ihm, die Asiaten zu Selbstbeschränkungen zu zwingen. Übrigens war Trumps Handelsbeauftragter, der 71-jährige Robert Lighthizer, schon unter Reagan Stellvertreter im selben Amt.

Das Selbstverständnis der USA zeigt sich auch in einem Aspekt, der die Bauern direkt betrifft: Derzeit hat die EU eine zollfreie Einfuhrquote für hochwertiges, hormonfreies Rindfleisch von knapp 50 000 t. Sechs Länder, darunter die USA, teilen sie sich. Wer als Erster kommt, mahlt zuerst. Die USA fordern nun, dass für ihre Exporte ein Anteil von 35 000 t fest reserviert wird. Neu ist die Strategie, an einer Stelle Druck zu machen und anderswo Zugeständnisse zu bekommen, nicht.

Wie die Sache ausgeht, ist unklar. Reagans Strafzölle auf japanische Halbleiter waren jedenfalls ein Schuss in den Ofen. Sie verteuerten die Produktion amerikanischer Computer, machten die Industrie wettbewerbsunfähig und kosteten Arbeitsplätze. Heute ist der Anteil amerikanischen Chips am Weltmarkt ein verschwindend kleiner Punkt.

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