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Nachhaltigkeit

Schützen und vielleicht nutzen

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
02.03.2017

München - Ich wollte hier eigentlich beginnen mit einer Auflistung aller möglichen Initiativen, die dem Schutz der Umwelt, der Natur oder des Klimas dienen sollen. Aber damit wäre der zur Verfügung stehende Platz auch schon gefüllt.

Sepp Kellerer

Einen Überblick kann man sich eh kaum noch verschaffen. Eines haben jedoch fast alle dieser Initiativen gemein, nämlich, dass sie die Land- und Forstwirtschaft in die Pflicht nehmen, die übrigen Wirtschaftsbereiche aber beinahe komplett außen vor lassen.

Fast könnte man zu dem Schluss kommen, es gibt eine neue politische Strategie: Wir hätscheln die gesamte Wirtschaft und die Industrie, weil die schließlich unseren Wohlstand sichert, und dafür opfern wir die Land- und Forstwirtschaft der Ökologie. Das Zauberwort, das über dieser Strategie schwebt, heißt Nachhaltigkeit. Und genau wegen dieser Nachhaltigkeit wird das so nicht funktionieren. Wer den Begriff ernst nimmt, der darf nicht einfach eine dieser drei Säulen, auf der die Nachhaltigkeit ruht, herausgreifen und als Synonym für das Ganze setzen.

Dazu ein Beispiel: Der Bundesrat möchte mehr Mittel von der Ersten in die Zweite Säule der Agrarpolitik umschichten, also Ausgleichszahlungen in Umweltprogramme verschieben und damit die Säule Ökologie stärken. Das könnte dann funktionieren, wenn die Produktion von Umweltleistungen für die Bauern mindestens genauso wirtschaftlich wäre, wie die von Weizen, Rüben oder Mais. Dann würde hier auch die Säule Ökonomie tragen, die gleichgewichtig neben der Ökologie steht. Eigentlich müssten angesichts der wirtschaftlichen Situation die Umweltleistungen mehr bringen als der Weizen.

Und schließlich bräuchten die Bauern Anerkennung für das, was sie für die Umwelt leisten, denn die Nachhaltigkeit hat auch eine Komponente Soziales und die muss ebenfalls tragen – mit gleichem Gewicht.

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