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Kampagne des Bundesumweltministeriums

Ein Schuss ins Knie der SPD

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
09.02.2017

München - Auch wenn sie es nicht zugibt hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ihrer Partei mit der Kampagne um die Bauernregeln einen Bärendienst erwiesen.

Simon Michel-Berger

Landauf, landab beeilen sich die Genossen – insbesondere die, die politisch mit Landwirten arbeiten – sich von den Sprüchen zu distanzieren. Platt und dämlich sind die „Regeln“ ja wirklich und teuer noch dazu. Rund 1,6 Mio. € soll die Kampagne gekostet haben und hat damit auch schon den Bund der Steuerzahler auf den Plan gerufen. Für die CSU ein gefundenes Fressen, kann sie sich doch als Verteidiger der Bauern zeigen. Sogar manche Politiker – wenn auch nicht alle – aus den Reihen der Grünen kritisieren mittlerweile die Hendricks-Kampagne. Aus dem Bundesumweltministerium ist dagegen nur zu hören, die Aufregung sei das Werk von Bauernlobbyisten.

Doch es sind eben vor allem ganz normale Bauern – nicht nur Verbandsfunktionäre – die sich durch die Kampagne angegriffen fühlen. All diesen jetzt zu sagen, das Ministerium habe sie ja gar nicht angreifen wollen, ist zu wenig. Nischenparteien können auf so billige Art Wahlkampf betreiben. Aber aus einer Volkspartei wie der SPD heraus hätte das nicht kommen dürfen.

Und was ist mit Barbara Hendricks, die so erfolgreich das Ansehen ihrer Partei bei den Bauern beschädigt hat? Ihr sei hier ein kurzer Auszug aus einer Rede gewidmet, die Willy Brandt 1971 gehalten hat, als ihm der Friedensnobelpreis verliehen wurde: „Ideologien, ihre Verkünder und Gläubiger setzen sich immer wieder über ethische Grundformen des Zusammenlebens hinweg [...]. Wer sich im Besitze der ganzen Wahrheit glaubt, wer das Paradies nach seinen Vorstellungen heute und hier haben will, der zerstört nur zu leicht den Boden, auf dem eine menschenwürdige Ordnung wachsen kann.“

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