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Gemeinsamkeit

Eine seltene Gelegenheit

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
29.06.2017

München - Wenn die EU-Kommissare für Landwirtschaft und Wettbewerb gemeinsam an die Öffentlichkeit treten, ist das an sich schon ungewöhnlich. Tun sie es, um den Missbrauch von Marktmacht in der Lebensmittelkette anzuprangern, so ist dies außergewöhnlich. Kündigen sie dann noch gemeinsame Vorschläge an, um diese Probleme in den Griff zu bekommen, so ist das eine seltene Gelegenheit, dass sich wirklich etwas für die Bauen bessern könnte.

Simon Michel-Berger

Man darf natürlich keine EU-Lösung für alle Probleme der Landwirtschaft mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) erwarten. Zu unterschiedlich sind die Situationen in den verschiedenen EU-Ländern. Dennoch gibt es gemeinsame Probleme, unter denen alle Landwirte in Europa leiden. Unfaire Handelspraktiken wie Listungsgebühren und undurchsichtige Preisgestaltung durch den LEH sind für so gut wie keinen europäischen Landwirt von Süditalien bis zum Nordkap Fremdworte.

Die Vorschläge, welche die EU-Kommission 2018 machen will, treffen bei einigen EU-Ländern bereits auf Skepsis. In Deutschland sieht man die Beziehungen zwischen Erzeugern und Handel als Thema für die Wirtschaftsbeteiligten, aus denen sich der Staat weitgehend herauszuhalten hat. Doch gerade die osteuropäischen Länder sind voller Eifer, hier aktiver zu werden. Im EU-Parlament werden die Messer diesbezüglich ohnehin schon lange gewetzt.

Bleibt abzuwarten, wie ehrgeizig die Vorschläge der EU-Kommission sein werden. Steht am Ende eine Liste mit unverbindlichen Empfehlungen? Kommt eine europäische Beschwerdestelle, die unabhängig untersuchen und Strafen verhängen kann? Oder etwas anderes? Auch wenn die Zeit bis zu den Neuwahlen im EU-Parlament und der neuen EU-Kommission knapp wird: So gute Chancen, dass sich etwas für die Bauern bessert, gab es lang nicht mehr.

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