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Werksschließung

SPD attackiert Besitzer der Müller-Milch

Stefan und Theo Müller
pd
am
02.05.2017

Dissen/Niedersachsen - Schock für die Beschäftigten des Feinkostherstellers Homann: Ende vorletzter Woche erfuhren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Müller-Gruppe per Zeitungsmeldung von der Schließung der Werke. Damit verliert eine Stadt von 10.000 Einwohnern auf einen Schlag 1.200 Arbeitsplätze.

Seit 2012 gehört die Homann-Gruppe zur Unternehmensgruppe Theo Müller. Jetzt steht das Werk in Dissen vor dem Aus. Wilhelm Priesmeier, agrarpolitischer Sprecher der SPD und Rainer Spiering, zuständiger Berichterstatter, meinten zu dem Vorgang, dass die Müller Gruppe mit dieser unternehmerischen Entscheidung den letzten Funken guten Ruf verliere, den sie am Wirtschaftsstandort Deutschland noch hätte. Denn dies reihe sich ein, in eine lang geübte Praxis, bei der Profite wichtiger seien als soziale Verantwortung. "So musste die Käserei Loose im Kreis Goslar 2007 nach dem Ende der Förderlaufzeit abwandern. Außerdem zog die Familie Müller 2003 in die Schweiz, um der deutschen Erbschaftssteuer zu entkommen", so die Politiker.

Die Müller-Gruppe begründet die Stilllegung mit der Nichtkonkurrenzfähigkeit des jetzigen Standortes. Nach Ansicht der SPD ging es bei dieser Entscheidung nicht um technologisch oder logistisch bedingte Gründe, sondern um die Höhe der Arbeitslöhne. So sei davon auszugehen, dass beim jetzigen Lohnunterschied 6.000 Euro pro Facharbeiter pro Jahr eingespart würden. Außerdem sei zu befürchten, dass in einigen Jahren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am neuen Standort in Sachsen nach der Abgeltung von etwaigen Subventionen auch ihre Arbeit verlieren würden, sobald sich woanders eine neue Standortförderung anböte.

Das Unternehmen entziehe sich seiner sozialen Verantwortung und scheine sich nicht darüber im Klaren zu sein, dass unser Sozialwesen auf dem Ausgleich der Interessen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beruhen. Für einen Hersteller von Lebensmitteln sei dies kein gutes Marketing. "Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollten wissen, dass die Müller-Gruppe nicht vor brutalem Lohndumping zurückschreckt, um günstige Produkte herzustellen. Über das Konsumverhalten kann jeder abstimmen, ob dieses Geschäftsgebaren gesellschaftlich akzeptabel ist“, so Priemeier und Spiering.

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