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Fachchinesisch

Spreche ich GAP?

Wortspiel
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
03.05.2018

Diese Frage dürfte sich der eine oder andere Landwirt stellen, wenn es an die Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 geht.

Simon Michel-Berger

Zwar fällt manche bekannte Abkürzung weg (Adieu, „CC“, auf Nimmer-Wiedersehen), doch die EU-Kommission hat bereits jede Menge neue Schöpfungen im Gepäck. Als ich den Entwurf der Behörde für die Ausgestaltung der neuen GAP gelesen habe, sprangen mir Ungetüme wie BISS, CRISS und CISYF entgegen.

Was um alles in der Welt das sein soll? BISS, nach dem englischen „Basic Income Support for Sustainability“ ist so etwas wie die neue Basisprämie. CRISS, mit weiteren hübschen englischen Worten dahinter, eine neue Umverteilungsprämie, um kleinere Betriebe zu stärken. CISYF wird die neue Junglandwirteprämie. Mit weiteren Abkürzungen verschone ich Sie.

Was aber kommt für die Bauern raus? Bloß weil einige alte Kunstbegriffe durch neue ausgetauscht werden, zahlt kein Steuerzahler mehr Geld in den EU-Agrarhaushalt ein. Schaut man auf die neuesten Ankündigungen zum Budget, sollen die Bauern ohnehin die Zeche für all die neuen EU-Ausgaben mitbezahlen.

Bleibt das Versprechen des Bürokratieabbaus. Ich möchte daran glauben. Aber Politiker haben schon Kriege versprochen, die alle Kriege beenden sollten. An den Bürokratieabbau, der allen weiteren Bürokratieabbau überflüssig macht, glaube ich erst wenn er da ist.

Bis es soweit ist, schadet es aber nicht wenn Sie, liebe Leser, schon mal Kopien von ihren letzten Einkommensteuerbescheiden machen. Denn mit der GAP-Reform könnte auch der „aktive Landwirt“ unter neuem Namen aber mit ähnlichen Nachweispflichten wieder auftauchen.

Wenn dann noch nationale und europäische Cross-Compliance, die zwar nicht mehr so heißen aber im Endeffekt das Gleiche sind, dazu kommen, wird es richtig lustig.

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