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Tierwohl

Staatliches Tierwohllabel - Bioland spricht von Verbrauchertäuschung

pd
am
20.01.2017

Mainz / Berlin - Bioland fährt schwere Geschütze gegen das staatliche Tierwohlsiegel auf. „Dieses Label ist Verbrauchertäuschung“, sagt Jan Plagge, Präsident von Bioland. „Es gaukelt bessere Haltungsbedingungen vor, die von der Mehrheit der Verbraucher erwartet werden. Gleichzeitig zementiert es den Status Quo und verhindert Investitionen in den Umbau zu artgerechten Stallsystemen.“

Mastschweine in der Bucht
Minister Schmidt plant ein Label, das möglichst breit verwendet werden soll. Möglich machen will er das durch die Orientierung der Kriterien der Einstiegsstufe an den bereits bestehenden Bedingungen am „breiten Markt“.

Tierwohllabel trotz kupierter Schweineschwänze

In der Schweinehaltung bedeute das noch nicht einmal die Einhaltung der gesetzlichen Standards, kritisiert Bioland. So soll das Schwänzekupieren weiter erlaubt sein. Gleiches gelte für das Abschleifen der Eckzähne. Um ohne diese schmerzhaften Eingriffe Schwanzbeißen zu verhindern, bräuchten die Tiere ausreichend Platz und eine Auftrennung der Buchten in Aktivitäts-, Liege- und Kotbereiche. Das sehe die Einstiegsstufe aber nicht vor. Ein weiteres, gravierendes Defizit sieht der Verband: Für Zuchtsauen fehlen wichtige Kriterien, wie das Verbot der Haltung in Kastenständen. So bleibe das Tierwohl in einem zentralen Teil der Fleischerzeugung unberücksichtigt.

Wie das Tierwohl auf Betrieben wirklich verbessert wird, würden Landwirte wie Wilhelm Schulte-Remmert zeigen. 2015 hat der Schweinehalter aus Nordrhein-Westfalen seinen Betrieb auf die Bewirtschaftung nach Bioland-Kriterien umgestellt. Dazu hat er den Sauen-Bestand von 450 auf 150 reduziert, einen großen, hellen und gut durchlüfteten Stall gebaut und chemische Spritz- und Düngemittel von seinen Äckern verbannt, argumentiert Bioland. „Wir haben den Umbau unseres Betriebes nach den Bedürfnissen unserer Schweine ausgerichtet“, sagt Wilhelm Schulte-Remmert. „Die Sauen können jetzt ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben. Als ich gesehen habe, wie die Tiere auf ihre neugewonnene Freiheit in der Bioland-Haltung reagieren, war mir klar – wir haben die richtige Entscheidung getroffen. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert.“

Tierhaltung müsse grundlegend geändert werden

Bioland fordert ein stimmiges Gesamtkonzept zum Umbau der Tierhaltung. Dafür ist zunächst die Zielperspektive der zukünftigen Tierhaltung festzulegen. In der Schweinehaltung würde das bedeuten: Mastschweineställe mit deutlich mehr Platz und Auslauf sowie die Abschaffung des Kastenstandes in der Sauenhaltung. Damit ein erfolgreicher Umbau der Schweinhaltung gelinge, müsse der gesamte Instrumentenkasten von gesetzlichen Regelungen, klarer Kennzeichnung und gezielter Förderung genutzt werden.

Nach Schätzung des wissenschaftlichen Beirates kostet der Umbau der Tierhaltung jährlich drei bis fünf Milliarden Euro. Staatliche Investitionszuschüsse für den Stallbau dürften, so die Verbandsforderung, zukünftig nur fließen, wenn die gesetzlichen Vorgaben für die Bio-Tierhaltung eingehalten würden. Dies konzentriere die Förderung auf artgerechte Haltungssysteme und ermögliche es den Betrieben, ihre Produktion den Marktentwicklungen anzupassen.

Bioland fordert verpflichtende Kennzeichnung

Um eine vollständige Transparenz am Fleischmarkt zu gewährleisten, fordert Bioland eine Pflichtkennzeichnung für das gesamte Fleischsortiment. Dafür müssten alle gängigen Haltungssysteme in vier Stufen 0 (Bio), 1, 2, 3 (gesetzlicher Standard) eingruppiert werden.

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