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Lieber Leser

Ständig auf dem Präsentierteller

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
01.06.2017

München - Sie sehen mich heute an dieser Stelle ziemlich ratlos. Und ich kann mir vorstellen, dass Sie sich genauso fühlen, wenn Sie Nutztiere auf Ihrem Hof haben.

Sepp Kellerer

Auslöser ist ein Video über einen Vorfall bei der Klauenpflege auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, das von einer sogenannten Tierrechtsorganisation ins Internet gestellt worden ist. Durch eine verkürzte Darstellung des Vorgangs entstehen Bildfrequenzen, die die Tierhalter in einem sehr ungünstigen Licht dastehen lassen (Seite 15).

Nun wissen Sie, liebe Leser, und wir, dass die Nutztierhaltung kein Streichelzoo ist. Wir sind uns ganz sicher, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Tierhalter aus Überzeugung auf einen pfleglichen Umgang mit ihren Tieren achtet. Aber wenn man einer ausgewachsenen Kuh oder einem 700 kg schweren Stier gegenübersteht, dann kann man dem schon mal gut zureden, aber wenn die oder der schlecht gelaunt ist, dann braucht es andere Mittel, um zu zeigen, wer der Herr ist. Und noch eines: Es muss klar sein, dass die Menschen auf dem Hof das Sagen haben und nicht die Tiere. Dass auch mit den Halbstarken unter den Rindern, mit einer Zuchtsau oder einem Eber nicht zu spaßen ist, das sei nur am Rande erwähnt.

Ja, ich weiß, jetzt predige ich wieder in der Kirche, wo die drin sind, die es eh schon wissen. Mit Ihnen, liebe Leser, könnte ich wahrscheinlich auch fruchtbar darüber diskutieren, welche Maßnahmen wann gerechtfertigt sind.

Aber leider ist heute der ganz überwiegende Teil der Bevölkerung so weit von der Landwirtschaft weg, dass selbst ein Treibpaddel in der Hand einem schon als Tierquälerei angelastet wird.

Wen wundert es also, wenn gestandene Landwirte sagen, sie hätten jeden Tag beinahe Angst, wenn sie in den Stall gehen. Das ist auch deshalb nachvollziehbar, weil heute praktisch zu jeder Zeit in jeder Hosen- oder Handtasche eine Kamera steckt, die jeden Handgriff dokumentieren kann. Ob das Filmen legal ist, das juckt doch keinen.

Nein, stopp, da gibt es einen Hoffnungsschimmer. Im obigen Fall waren die Aufnahmen illegal und mussten deshalb aus dem Netz genommen werden. Und auch eine einstweilige Verfügung gegen die Veröffentlichung der Kontaktdaten des Landwirts war erfolgreich. Und noch eins stimmt mich positiv: Der bäuerliche Nachwuchs nutzt ebenfalls zunehmend die modernen Medien, stellt die tägliche Arbeit dar und weckt so Verständis für das Tun auf den Höfen.

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