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Milch und Fleisch

Steuern mit Steuern

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
12.01.2017

München - Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern eine Idee, deren Stunde noch nicht wirklich geschlagen hat. Das Prinzip: Man nehme ein unpopuläres Produkt und besteuere es kräftig, um die Bürger zum Verzicht zu bewegen und zu besseren Menschen zu erziehen. In der Vergangenheit waren dies unter anderem Zucker oder Fett. Jetzt sind es gleich alle tierischen Produkte, insbesondere Fleisch. Die Idee kam diesmal dem Umweltbundesamt, das so einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten will.

Simon Michel-Berger

Ich finde, das ist eine großartige Idee. Allerdings nur unter zwei Bedingungen: Erstens müssten dann alle anderen Steuern, die auf nicht klimaschädliche Dinge erhoben werden (etwa Umsätze und Einkommen) gesenkt werden. Wenn schon umweltpolitisch optimierte Steuern, dann bitte richtig.

Zweitens müsste das Umweltbundesamt – und nur das Umweltbundesamt – die praktische Umsetzung dieser Regeln für alle Produkte ausarbeiten und durchführen. Dann hätte die Behörde endlich mal genug zu tun und könnte die Landwirte an anderer Stelle weniger aufs Korn nehmen.

Spaß beiseite: Machen wir einen kleinen Exkurs nach Dänemark. Dort hatte man 2011 eine Fettsteuer auf alle verarbeiteten Produkte eingeführt, die mehr als 2,3 Prozent gesättigte Fettsäuren enthielten. Nach gut einem Jahr und trotz Einnahmen von rund 200 Millionen Euro wurde die Steuer wieder abgeschafft und die Pläne für eine Zuckersteuer gleich mit. Die Gründe: ein bürokratischer Alptraum für Erzeuger und Handel, verlorene Arbeitsplätze und mehr Einkauf fettiger Produkte im Ausland. Am schlimmsten war jedoch, dass die Dänen ihre Essgewohnheiten praktisch nicht geändert hatten.

Auch diesmal scheint die Idee von der erzieherischen Steuer erst einmal wieder vom Tisch. Aber irgendwann kommt sie wieder, das ist sicher.

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