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Kampagne des Bundesumweltministeriums

Stopp der "Bauernregel"-Aktion ist nur Schadensbegrenzung

pd
am
13.02.2017

München - Nach Einschätzung des Bayerischen Bauernverbandes hat Bundesumweltministerin Hendricks viele Bauernfamilien verletzt. Jetzt sei sachlicher Dialog nötig.

Hans Müller

Mit einer bundesweiten Kampagne hat das Bundesumweltministerium seit vergangener Woche „neue Bauernregeln“ verbreitet. Nach der heftigen Kritik vom Bauernverband und zahlreichen Landwirten, der sich schnell auch viele Politiker und andere Organisationen angeschlossen haben, hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ihre Bauernregel-Kampagne zurückgezogen. „Wir sind froh, dass es uns gelungen ist, diese unsägliche Bauernschelte zu stoppen“, sagt BBV-Generalsekretär Hans Müller.

Ab dieser Woche sollten in insgesamt 77 Städten Großflächenplakate mit den „Bauernregeln“ des Umweltministeriums aufgehängt werden. Die Plakatierung wurde nun gestoppt und die Webseite mit den Bauernregeln kann nicht mehr aufgerufen werden. Stattdessen hat Ministerin Hendricks nun einen Dialog mit den Landwirten angekündigt.

„Wir begrüßen die Kurskorrektur der Ministerin und ihre Bereitschaft, endlich mit uns Bauern zu reden, statt einfach Stimmung gegen die Bauernfamilien zu machen“; sagt Müller. „Gleichwohl dient der Kampagnen-Stopp nur der Schadensbegrenzung. Hendricks hat mit ihrer Kampagne viele Bauernfamilien verletzt und längst zugeschüttete Gräben wieder aufgerissen. Gedankenlos wurden so Brücken für den konstruktiven Dialog über Landwirtschaft und Umwelt eingerissen. Jetzt muss unter der Führung des zuständigen Bundeslandwirtschaftsministeriums wieder zu einem ehrlichen und sachlichen Dialog zurückgefunden werden.“

Aus Sicht des Bauernverbandes muss das Bundesumweltministerium dafür auch endlich damit aufhören, die Probleme in seinem Ressort einfach auf die Landwirtschaft abzuwälzen. „Bei den Themen Ausgleichsflächen und Biodiversität beispielsweise blendet Hendricks nach wie vor den immensen Flächenverbrauch aus“, kritisiert Müller.

„Hendricks muss ihre Scheuklappen ablegen. Täglich verschwindet in Deutschland die Fläche von 94 Fußballfeldern unter Teer und Beton. Damit geht auch wertvoller Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen verloren. Wer die massiven Auswirkungen des Flächenverbrauchs auf den Naturschutz und die Biodiversität nicht erkennt und stattdessen einfach die Bauern an den Pranger stellt, verkennt die Realität auf unseren Feldern und Fluren. Das hat leider auch nichts mit einem sachlichen Dialog zu Landwirtschaft und Umwelt zu tun.“

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