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Wolfsmanagement

Suche Dünger, biete Wolf?

Wolfsrudel
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
23.05.2019

Landwirtschaftsministerium kommt Umweltministerium bei Kompromiss zum Wolf weit entgegen.

Berlin Die Bundesministerien für Umwelt (BMU) und Landwirtschaft (BMEL) haben sich auf einen Entwurf zur Anpassung des Bundesnaturschutzgesetzes zum Umgang mit dem Wolf geeinigt. Am Mittwoch beschloss das Bundeskabinett einen entsprechenden Text.

Die enthaltenen Gesetzesänderungen spiegeln weitgehend die Position des Bundesumweltministeriums wieder. Konkret soll künftig, wenn Schäden bei Nutztieren keinem bestimmten Wolf eines Rudels zugeordnet werden, der Abschuss von Einzeltieren aus der Gruppe „in engem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang“ mit Rissen erlaubt werden.

Allerdings müssen die Schäden „ernst“ sein. Eine genaue Definition von „ernst“ bleibt der Text schuldig. Die Abschüsse sollen, mit einer gewissen Wartezeit nach jeder Entnahme, so lange fortgeführt werden dürfen, bis Schäden an Nutztieren ausbleiben. Dadurch darf der Erhaltungszustand der Population aber nicht gefährdet werden. Nach wie vor muss mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass es sich um einen Riss durch Hunde handelt. Wolfshybriden in der freien Natur sollen entnommen werden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte ursprünglich unter anderem gefordert, Wölfe rechtssicher und präventiv abschießen zu lassen, wenn eine konkrete Gefahr von ihnen ausgeht. Davon ist, genau wie von einer Forderung nach wolfsfreien Zonen, nichts konkretes mehr im Gesetz enthalten. In Berlin wird gemutmaßt, dass als Gegenleistung ein Entgegenkommen des BMU bei der Düngeverordnung erwartet wird.

In einer Erklärung begrüßte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Entscheidung des Bundeskabinetts. Sie betont aber, dass es nur ein erster Schritt sein könne. Laut BMEL seien weitergehenden Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes notwendig, aber am Widerstand des BMU gescheitert. Man hoffe nun auf Änderungen im parlamentarischen Verfahren.

Der agrarpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Albert Stegemann, sieht im Entwurf keinen ausreichenden Ansatz, um die unkontrollierte Ausbreitung des Wolfes zu vermeiden und forderte ein gemäßigtes Bestandsmanagement. Der umweltpolitische Sprecher der SPD, Carsten Träger, begrüßte hingegen die Einigung. Er zeigte sich verwundert, dass Klöckner diese im Kabinett mittrage und kurz danach nichts mehr davon wissen wolle. AgE/SMB
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